Wissen ist [wiki:Information], derer sich eine Person, Organisation oder eine andere Gruppierung gegenwärtig ist. „Wissen“ ist abgeleitet vom [wiki:Althochdeutsch] Verb wissan, das seinerseits von „gesehen haben“ kommt, was auch [wiki:Etymologie] auf die [wiki:Begründung] verweist. Für den Begriff des Wissens findet sich seit der [wiki:Antike] im [wiki:Philosophie] und [wiki:Wissenschaft] Diskurs keine exakte und alle Aspekte umfassende anerkannte Definition, vielmehr gibt es zahlreiche, häufig ähnliche Definitionen, die jeweils abhängig vom Standpunkt des Definierenden formuliert sind (siehe unten). Seit dem 20. Jahrhundert wird der Begriff zunehmend auch aus dem Blickwinkel der [wiki:Informatik] betrachtet.
Als kleinster gemeinsamer Nenner lässt sich folgende Aussage formulieren:
- Dem Wissen liegen Informationen zugrunde, oder anders formuliert: Wissen ist behaltene (gespeicherte) Information.
Wissen steht in der [wiki:Griechische Philosophie] im Gegensatz zur [wiki:Meinung]. Demnach [wiki:Implikation] Wissen [wiki:Wahrheit] und könne durch keine [wiki:Argumentation] widerlegt werden, während eine Meinung zwar wahr sein könne, aber diskutabel sei. Dies ist aber umstritten (siehe auch [wiki:Positivismusstreit]).
Die [wiki:Erkenntnistheorie], die den [wiki:Griechische Sprache] [wiki:Wortstamm] für Wissen (episteme) im Namen trägt, ist die Lehre von der [wiki:Erkenntnis]. Erkenntnis folgt erst dann aus Wissen, wenn erkannt wird, welche [wiki:Relevanz] die Einzelinformationen für die Lösung eines gegebenen Problems besitzen. Wissen kann man demnach also als potentielle [wiki:Nutzinformation] definieren.
Mit den sozialen Implikationen des Erwerbs von Wissen beschäftigt sich die [wiki:Wissenschaftssoziologie].
Verschiedene Wissensdefinitionen
Während es auf den ersten Blick klar zu sein scheint, was Wissen bedeutet, ist es sehr schwer, eine allgemein gültige Definition dafür anzugeben. Für jede bekannte Definition gibt es Fälle, in denen sie offensichtlich nicht das wiedergibt, was wir unter Wissen verstehen.
- Wissen ist eine vorläufig wahre Zustandsgröße und ein selbstbezüglicher Prozess. Seine Definition verändert es bereits, da diese selbst zum Bestandteil des Wissens wird. Voraussetzung für Wissen ist ein wacher und selbstreflektierender [wiki:Bewusstseinszustand], der dualistisch angelegt ist. Wissen ist mit Erfahrungskontext getränkte Information. Information ist ein Datenbestandteil, welcher beim Beobachter durch die beobachterabhängige Relevanz einen Unterschied hervorrief. Daten sind etwas, was wahrgenommen werden kann, aber nicht muss. Diese Definition ist im Einklang mit dem Fachgebiet [wiki:Wissensmanagement] und dem [wiki:DIKW]-Modell ([wiki:En:DIKW]). Letzteres stellt Daten, Informationen, Wissen und [wiki:Weisheit] in einer aufsteigenden Pyramide dar und führt zu [wiki:Organisational Memory System], deren Hauptziel es ist, die richtige Information zur richtigen Zeit an die richtige Person zu liefern, damit diese die am besten geeignete Lösung wählen kann. Damit wird Wissen mit seiner Nutzung verknüpft.
- Reale und imaginäre [wiki:Objekt], [wiki:System] und [wiki:Prozess] können gegeneinander abgegrenzt und daher beschrieben und definiert werden. Wissen hingegen ist ein selbstbezüglicher Begriff für eine Gesamtheit und nicht überschaubar. Die [wiki:Selbstbezüglichkeit] zeigt sich in der Tatsache, dass eine [wiki:Definition] des Begriffs Wissen das Wissen selber verändert, weil die Definition ebenfalls Bestandteil des Wissens ist. Es kann daher nur eine Beschreibung der Wirkung von Wissen erfolgen.
- Wissen bezeichnet die Gesamtheit aller organisierten [wiki:Information] und ihrer wechselseitigen [wiki:Zusammenhang], auf deren Grundlage ein [wiki:Vernunft] [wiki:System] handeln kann.
Das Wissen erlaubt es einem solchen System – vor seinem Wissenshorizont und mit der Zielstellung der Selbsterhaltung – sinnvoll und bewusst auf [wiki:Reiz] zu [wiki:Reaktion].
- Die vielfältigen Ergebnisse der [wiki:Erkenntnistheorie] und der [wiki:Wissenschaftsgeschichte] machen die Aussage plausibel, dass der Mensch immer nur glaubt zu wissen. Zu oft wurden ganze Gebäude des Wissens zum Einsturz gebracht, wenn sich eine neue [wiki:Hypothese] als tragfähiger erwies – bis auch dieses vermeintlich gesicherte Wissen durch neue Erkenntnisse in Zweifel gezogen wurde. Und so wird der [wiki:Zweifel] zu einer der Triebfedern neuen Wissens.
- Edmund Gettier zeigte dabei an Beispielen, dass die Annahme (d.h. eine weitere Definition des Begriffes), Wissen sei gerechtfertigter wahrer Glaube, unseren Wissensbegriff nicht treffend abzubilden vermag. Dieses Problem nennt man das [wiki:Gettier-Problem].
Formen des Wissens
Deklaratives versus prozedurales Wissen
Bezeichnet in der [wiki:Kognitionspsychologie] das Wissen über Fakten („Wissen was“), in Abgrenzung von handlungsorientiertem („Wissen wie“, [wiki:Prozedurales Wissen]). Folgende Formen des deklarativen Wissens können unterschieden werden:
- Wissen über Fakten: Zu den Fakten gehören numerische Fakten wie „das [wiki:Planck'sches Wirkungsquantum] ist h = 6,6261 · 10-34 Js “ oder [wiki:Proposition] wie „Der [wiki:Wolf] ist ein Raubtier“.
- Wissen über [wiki:Konzept] und Konzepteigenschaften: Konzepte werden durch ihren Konzeptnamen, ihre [wiki:Extension] und ihre [wiki:Intension] definiert. Extension ist die Menge aller Objekte, die zu dem Konzept gehört, die Intension ist die Menge der [wiki:Merkmal], die ein Objekt besitzen muss, um zum Konzept zu gehören. Man unterscheidet zwischen Individualkonzepten, die als Extension eine einelementige Menge besitzen, und Massenkonzepte wie Flüssigkeiten oder Schüttgut, die keine stückweise abzählbare Extension besitzen.
- Wissen über semantische Beziehungen: Semantische Beziehungen sind Aussagen zu zwei oder mehreren Konzepten, wie zum Beispiel
- [wiki:Abstraktion]: (Schrank ist ein Möbelstück).
- Teil-Von-Beziehungen: ([wiki:Klinge] - ist Teil vom - [wiki:Schwert]).
- Ist-Ein-Beziehung ([wiki:Wolf] - ist ein - [wiki:Raubtiere]).
- Zeitliche Beziehungen (chronologische Abfolge, [wiki:Simultanität]).
- Räumliche Beziehungen ([wiki:Behälter] - [wiki:Inhalt]).
- Kausalbeziehungen ([wiki:Blitz] - [wiki:Donner]).
- Wissen über Ereignisse und Handlungen: Ein Ereignis ist eine Zustandsänderung eines Objektes zu einem bestimmten Zeitpunkt oder über ein Zeitintervall hinweg. Eine [wiki:Handlung] ist ein [wiki:Ereignis], das von einem Aktor ausgelöst wurde.
- Wissen über Regeln und einschränkende Bedingungen ([wiki:Constraint]): Wissen über einschränkende [wiki:Bedingung] ist Wissen über die Unzulässigkeit von Zuständen oder Zustandsänderungen.
- Metawissen: Wissen über Wissen, wie z. B.
- Wissen über die Verlässlichkeit ([wiki:Reliabilität]) bzw. Güte ([wiki:Validität]) von Fakten oder anderen Wissensarten.
- Wissen über [wiki:Wissensqualität].
- Wissen als soziale Konstruktion: Grundlegend stellt die [wiki:Wissenssoziologie] fest, dass Erkenntnis nicht im [wiki:Individuum], sondern in einem sozialen Kontext eingebettet ist, das bedeutet Wissen ist [wiki:Sozial] bedingt.
Narratives versus diskursives Wissen
[wiki:Jean-François Lyotard] unterscheidet zwei Formen von Wissen:
- diskursives Wissen – das im [wiki:Diskurs] ermittelte Wissen der [wiki:Moderne] mit expliziter Legitimation. Wissenschaftliches Wissen ist spezifisches diskursives Wissen, das dem akademischen Diskurs und seinen akademischen Regeln unterliegt;
- narratives Wissen – das traditionelle Wissen in Form von Geschichten und Erzählungen, das sich implizit selbst legitimiert.
Operatives Wissen und Orientierungswissen
(Wie nutze ich das Wissen, das ich habe? Wie finde ich meinen Weg, da ich noch nicht genug weiß?)
- Wissen über Vorgänge und Verfahren: Ein Vorgang ist eine lang andauernde [wiki:Handlung]. Ein [wiki:Verfahren] ist eine festgelegte Anzahl von miteinander verketteten Einzelhandlungen, für die oft eine bestimmte Reihenfolge verbindlich ist. Wissen über ein Verfahren bezeichnet man auch als "know how", Gewusst Wie.
- Wissen, wie man Wissenslücken schließen kann (zum Beispiel indem man Unbekanntes erfragt).
- Wissen, wie man neues Wissen aus vorhandenem Wissen ableitet (Inferenzstrategien).
- Wissen, wie man Wissen strukturiert und neues Wissen hinzufügt.
- Wissen über [wiki:Problem] und [wiki:Problemlösen]: Bildung einer formalen Beschreibung eines Problems mit dem Ziel der [wiki:Klassifikation] des Problems in eine bekannte Problemklasse, zu der eine Problemlösungsstrategie bekannt ist.
Psychologie und Wissen
Die [wiki:Lernpsychologie] beschäftigt sich mit dem Erwerb von Wissen, wobei zahlreiche Theorien und Methoden entwickelt wurden, um den Wissenserwerb zu vereinfachen und zu verstehen.
Begriffsfeldabhängige Ansätze
Im Gegensatz zum umgangssprachlichen Verständnis von Wissen bemüht sich der von [wiki:Helmut F. Spinner] begründete [wiki:Karlsruher Ansatz der integrierten Wissensforschung] (KAW) um eine Systematisierung des gesamten Begriffsfeldes um "Wissen aller Arten, in jeder Menge und Güte"; Spinner initiierte daher das [wiki:Wissensarten]-, [wiki:Wissensordnung]- und [wiki:Wissensverhalten].
Er schlägt folgende Terminologie vor:
- "Wissen ist semantische Information (unabhängig von [wiki:Richtigkeit] und [wiki:Wichtigkeit])"
- "[wiki:Information] ist inhaltliches Wissen"
- "[wiki:Erkenntnis] ist Information plus x"
Im Rahmen des [wiki:Wissensmanagement] wird Wissen als eine Ressource betrachtet, die nicht nur von Individuen, sondern auch von anderen Systemen wie Gruppen und Organisationen erzeugt bzw. ausgehend von [wiki:Implizites Wissen] explizit gemacht wird.
Siehe auch
- [wiki:Wissensrepräsentation]
- [wiki:Langzeitgedächtnis]
- [wiki:Wissensinfrastruktur]
- [wiki:Kollektive Wissenskonstruktion]
- [wiki:Lernen durch Lehren]: Kollektive Wissenskonstruktion im Unterricht
- [wiki:Intelligenz], [wiki:Kollektive Intelligenz], [wiki:Künstliche Intelligenz]
- [wiki:Know-How]
- [wiki:Wissenssoziologie]
- [wiki:Alltagstheorien]
- [wiki:Gefühltes Wissen]
Literatur
- [wiki:Daniel Geiger] & [wiki:Georg Schreyögg]: Wenn alles Wissen ist, ist Wissen am Ende [wiki:Nichts] ?!, in: DBW, 63. Jhrg., 2003.
- [wiki:Jean-François Lyotard]: Das postmoderne Wissen. Ein Bericht (Towards the Postmodern), Passagen-Verlag, Wien 1999.
- [wiki:Matthias Vogel] & [wiki:Lutz Wingert] (Hg.): Wissen zwischen Entdeckung und Konstruktion. Erkenntnistheoretische Kontroversen, Suhrkamp Verlag, Frankfurt/M. 2003.
- Paschen, Harm: Zur Entwicklung menschlichen Wissens Die Aufgabe der Integration heterogener Wissensbestände. März 2005
- [wiki:Jacques Maritain]: Die Stufen des Wissens. Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz 1954
Weblinks
[wiki:Vorlage:Wiktionary]
[wiki:Vorlage:Wiktionary]
[wiki:Vorlage:Wikiquote]
- [url:http://beat.doebe.li/bibliothek/|Biblionetz]
- [url:http://www.phillex.de/wissen.htm|Beschreibung aus dem Lexikon der Philosophie]
- [url:http://de.wikiversity.org/wiki/Fachbereich:Wissenswissenschaften|Wikiversity: Wissenswissenschaften][wiki:Be:Веды]
[wiki:Ca:Coneixement]
[wiki:Da:Viden]
[wiki:En:knowledge]
[wiki:Eo:Scio]
[wiki:Es:Conocimiento]
[wiki:Et:teadmine]
[wiki:Fa:دانش]
[wiki:Fr:Connaissance]
[wiki:Ko:지식]
[wiki:He:ידע]
[wiki:Mk:Знаење]
[wiki:Nl:Kennis]
[wiki:No:Kunnskap]
[wiki:Ja:知識]
[wiki:Pl:Wiedza]
[wiki:Pt:Conhecimento]
[wiki:Ru:Знание (понятие)]
[wiki:Simple:Knowledge]
[wiki:Sk:Vedenie (filozofia)]
[wiki:Sl:Znanje]
[wiki:Sq:Dituria]
[wiki:Su:Pangaweruh]
[wiki:Th:ความรู้]
[wiki:Vi:Tri thức]
[wiki:Tr:Bilgi]
[wiki:Zh-min-nan:Tì-sek]
[wiki:Zh:知识]
