Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bezieht sich auf die Möglichkeiten für Erwachsenen im arbeitsfähigen Alter, sich zugleich [wiki:Beruf] und [wiki:Karriere] einerseits und dem Leben in der Familie und der Betreuung von Kindern und pflegebedürftigen Personen andererseits zu widmen, und auf die Schwierigkeiten, die dabei auftreten können.

Ursprünglich mehr als die Frage angesehen, ob sich Mutterschaft und Berufstätigkeit überhaupt vereinbaren lassenDie deutsche Mutter, Buch von [url:http://www.bpb.de/publikationen/98DK3M,1,0,Familie_und_Beruf_Eine_deutsche_Geschichte.html|Familie und Beruf. Eine deutsche Geschichte], Kapitel I. Familienlaborium Deutschland, Michael Opielka, Politik und Zeitgeschichte (B 22-23/2002) (Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung)</ref>, entwickelte sich der gesellschaftliche Diskurs in den Industrienationen im Zuge der Emanzipation in die Richtung der Frage, wie sich für Mütter und Väter eine Berufstätigkeit mit der Erziehung der Kinder zeitlich vereinbaren lässt.

Gesellschaftlicher und politischer Kontext

Sinkende Geburten- und Fertilitätsraten stellen in manchen Ländern die bisherige Sozial- und Familienpolitik sowie die Arbeitsmarktpolitik in Frage. Im Rahmen der Veränderung der Bevökerungspyramide und höherer Lebenserwartung in vielen Ländern rückt inzwischen auch die Betreuung und Pflege älterer oder pflegebedürftiger Angehöriger näher in den Mittelpunkt des Interesses und wird in der Politik oft in die selbe Thematik einbezogen. Parallel dazu vollzieht sich eine gesellschaftliche Debatte und womöglich ein allmählicher Paradigmenwechsel<ref>[url:http://www.ilr.cornell.edu/extension/iww/paradigm.html|The New Paradigm Project: Women, Men, Work, Family, and Public Policy], Institute for Women and Work, Cornell University</ref><ref>[url:http://www.welt.de/data/2006/03/06/855719.html|Neue Studie zeigt Dilemma der Väter zwischen Beruf und Familie], Die Welt, 6. März 2006</ref> in Bezug auf Beschäftigungsmodelle sowie in Bezug auf das zugrundeliegende Gesellschafts- und Familienmodell - inwieweit es gewünscht ist, dass beide Eltern teilweise oder voll berufstätig sind, bzw. wie auch die Unterstützung von Alleinerziehenden im Vergleich zu dem traditionellen Familienmodell zu gestalten ist.

Bis in die 1950er Jahre war die Erwerbslosigkeit der Ehefrau - auch in der kinderlosen Ehe - Teil des bürgerlichen Familienideals. Um die Jahrtausendwende steht das Kindeswohl im Zentrum des Interesses. Die Meinung, Vorschulkinder litten unter der Berufstätigkeit der Mutter, herrscht vor allem in den alten Bundesländern der Bundesrepublik Deutschland, und zwar stärker als in jedem anderen Land der EU. Studien belegen, dass die Frage, ob Kinder aus der Situation einen Nachteil oder auch einen Vorteil beziehen, nicht mit „Ja“ oder „Nein“ beantwortet werden kann: Die Wirkung der Berufstätigkeit auf das Kind hängt von Kontextfaktoren ab, insbesondere auch vom Berufskontext, von der Art der Verwendung von Zeit und Geld, von der Qualität der nichtelterlichen Kinderbetreuung und von der Zufriedenheit der Frau mit ihrer Rolle. <ref name="nunner-winkler-2000">[url:http://www.mpg.de/pdf/frauen/vereinbarkeitFamilieBeruf.pdf|Rabenmütter? Zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf], Gertrud Nunner-Winkler, Max-Planck-Forschung 2000, Max-Planck-Gesellschaft</ref>

Teilweise vertreten verschiedene gesellschaftliche Standpunkte jeweils den Standpunkt der Wahlfreiheit, allerdings mit unterschiedlicher Gewichtung: die eine Seite hebt die Möglichkeit zur Erwerbsarbeit auch mit Kindern hervor, die andere betont die Wahlfreiheit auch zur traditionellen Familienform <ref>[url:http://www.bpb.de/publikationen/98DK3M,2,0,Familie_und_Beruf_Eine_deutsche_Geschichte.html#art2|Familie und Beruf. Eine deutsche Geschichte], Kapitel II. Die Parteien zwischen Frauenerwerbstätigkeit und Familiengeld, Michael Opielka, Politik und Zeitgeschichte (B 22-23/2002) (Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung)</ref>. Bei dieser gesellschaftlichen und politischen Debatte geht es immer auch um die Folgen für die Gesellschaft als Ganzes, etwa um ökonomische Wirkungen spezifischer Umstände und Maßnahmen.

Heute gilt die Vereinbarkeit von Familie und Beruf als eine der zentralen Herausforderungen der Beschäftigungs- und Sozialpolitik in Europa<ref name="eu-reconcil">[url:http://ec.europa.eu/employment_social/equ_opp/reconcil_de.html|Vereinbarkeit von Beruf und Familie], Europäische Kommission, Beschäftigung und soziale Angelegenheiten (in: [url:http://ec.europa.eu/employment_social/index_de.html|Kurzer Wegweiser zur EU Beschäftigungs- und Sozialpolitik])</ref><ref>[url:http://ec.europa.eu/employment_social/social_model/1_de.html#12|1.2 Arbeit und Familienleben miteinander vereinbaren], Die Beschäftigungs- und Sozialpolitik der EU im Überblick ([url:http://ec.europa.eu/employment_social/index_de.html|Beschäftigung, soziale Angelegenheit und Gleichberechtigung], Europäische Kommission)</ref> und in den einzelnen europäischen Staaten z.B. Deutschland<ref>[url:http://www.familienhandbuch.de/cmain/f_Programme/a_Familienpolitik/s_756.html|Familienhandbuch] des [url:http://www.ifp-bayern.de/|Staatsinstituts für Frühpädagogik]</ref><ref>[url:http://www.bpb.de/wissen/OHJ3D1,0,0,Vereinbarkeit_von_Familie_und_Beruf.html|Vereinbarkeit von Familie und Beruf], Bundeszentrale für politische Bildung, Deutschland</ref>, Österreich<ref>[url:http://www.bmsg.gv.at/cms/site/liste.html?channel=CH0095|"Vereinbarkeit Familie Beruf"] des Bundesministeriums für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz]</ref> und der Schweiz<ref>[url:http://www.zentral.ch/upload/zvinfo/zv_05_2006-1.pdf|Familie und Arbeit - Vereinbarkeit erfordert Taten, ZV 5/06, Zentralverband Staats- und Gemeindepersonal Schweiz, Mai 2005]</ref>, und steht im engen Zusammenhang mit dem Ziel der Gleichstellung von Mann und Frau in der Gesellschaft.

Länderübergreifende Studien

Studien der OECD

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist Thema länderübergreifender Studien geworden, insbesondere vergleichende Studien der OECD zu Australien, Dänemark und Den Niederlanden <ref name="oecd-bb-vol-1">[url:http://www.oecd.org/document/32/0,2340,en_2649_201185_30652384_1_1_1_1,00.html|Babies and Bosses, Reconciling Work and Family Life (Vol. 1): Australia, Denmark, The Netherlands], 2002, [url:http://www.oecd.org|OECD]</ref>, zuÖsterreich, Irland und Japan<ref name="oecd-bb-vol-2">[url:http://www.oecd.org/document/37/0,2340,en_2649_201185_28932069_1_1_1_1,00.html|Babies and Bosses - Reconciling Work and Family Life (Vol. 2): Austria, Ireland and Japan], 2003</ref>, zu Neuseeland, Portugal und der Schweiz <ref>[url:http://www.evd.admin.ch/imperia/md/content/dossiers/20041026_travail_et_famille/d/bbl_beruf_familie_d.pdf|Kinder und Karriere, Vereinbarkeit von Beruf und Familie], Kurzfassung des OECD-Ländervergleichs zu Neuseeland, Portugal und der Schweiz mit besonderer Berücksichtigung der Teile zur Schweiz</ref><ref name="oecd-bb-vol-3">[url:http://www.oecd.org/document/63/0,2340,en_2649_201185_31588543_1_1_1_1,00.html|Babies and Bosses - Reconciling Work and Family Life (Vol. 3): New Zealand, Portugal, Switzerland], OECD, 2004</ref>, sowie zu Kanada, Finnland, Schweden und Großbritannien <ref>[url:http://www.oecd.org/document/35/0,2340,en_2649_201185_34905443_1_1_1_1,00.html|Babies and Bosses - Reconciling Work and Family Life (Vol. 4): Canada, Finland, Sweden and the United Kingdom], OECD, 2005</ref>, welche zu einer Reihe von Empfehlungen führten <ref name="oecd-bb-rec-2005">[url:http://www.oecd.org/document/10/0,2340,en_2649_201185_34930826_1_1_1_1,00.html|Babies and Bosses: OECD Recommendations to help families balance work and family life], OECD, 2005</ref><ref name="oecd-bb-rec-2004">[url:http://www.oecd.org/document/13/0,2340,en_2649_201185_33844621_1_1_1_1,00.html|Babies and Bosses: OECD Recommendations to Help Families Balance Work and Family Life], OECD, 2004</ref>.

Laut OECD bringt eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf vielfachen Nutzen für die Gesellschaft mit sich: eine höhere Beschäftigungsrate, sichereres Familieneinkommen, eine Stärkung der Gleichstellung von Mann und Frau und eine Förderung der Kindsentwicklung <ref name="oecd-ff-policy-benefits">[url:http://www.oecd.org/document/10/0,2340,en_2649_201185_1837194_1_1_1_1,00.html|Family-Friendly Policy Can Generate a Range of Benefits to Society], 2002, [url:http://www.oecd.org|OECD]</ref>.

Studie der Bosch-Stiftung

Die Robert Bosch Stiftung stellte eine Studie (B.S.)<ref name="bs">[url:http://www.bosch-stiftung.de/download/0604_berger_studie.pdf|Unternehmen Familie]. Studie von Roland Berger Strategy Consultantsim Auftrag der Robert Bosch Stiftung, 2006</ref> auf, in denen Schweden, Frankreich und Großritannien als Best-Practice-Länder mit der Bundesrepublik Deutschland verglichen wurden, wobei jedes dieser Länder eine unterschiedliche Art repräsentiert, Familie und Beruf miteinander in Einklang zu bringen (B.S. Seite 32)<ref name="bs"/>. In jedem der drei Länder gibt es verglichen mit Deutschland eine besser ausgebaute Kinderbetreuung; in Schweden und Frankreich sind außerdem die Finanztransfers zu Familien mit Kindern hoch, ebenso wie in Deutschland, während sie in Großbritannien niedriger sind.

  1. In Schweden gibt es eine flächendeckende staatliche Kinderbetreuung, und die Elternversicherung reduziert die auf Kinder zurückzuführenden Einkommensverluste.
  2. In Frankreich sind nach jüngsten Reformen der „Politik des dritten Kindes“ 99 % der 3- bis 6-jährigen Kinder in öffentlicher oder privater Kinderbetreuung, es gibt staatliche Beihilfen zur häuslichen und außerhäuslichen Kinderbetreuung und Serviceleistungen des Staates zum Beispiel bei Krankheit eines Kindes; die Löhne der Frauen im Vergleich zu denen der Männer sind höher als in den Vergleichsländern.
  3. Großbritannien weist unter anderem eine vorbildliche staatliche familienunterstützende Dienstleistung in Form eines transparenten Informationsangebotes rund um das Thema Familie auf.

Eines der Ergebnisse dieser Studie ist die Empfehlung von privat oder öffentlich organisierte Dienstleistungsagenturen, die eine vermittelnde Rolle einnehmen mögen, um Familien den Zugang zu familienunterstützende Dienstleistungen zu erleichtern (B.S. Seite 59)<ref name="bs"/>.

Weitere Studien

Gemäß einer Veranstaltungsreihe der Konrad-Adenauer-Stiftung stellt sich, basierend auf einem Vergleich zwischen Frankreich und Deutschland, die hohe Kinderlosigkeit in Deutschland vor allem als ein Ergebnis mentaler Einstellungen und erst in zweiter Linie das Ergebnis struktureller und wirtschaftlicher Rahmenbedingungen dar: Ehe, Familie und Kinder haben in Frankreich einen höheren Status als in Deutschland, und es besteht eine kinderfreundlichere Grundhaltung in der Gesellschaft. <ref>[url:http://www.kas.de/publikationen/2004/4390_dokument.html|Politik für Familie a la francaise. Was können wir von unseren Nachbarn lernen?] Resumé der Veranstaltung vom 5./6. März 2004, St. Martin, Konrad-Adenauer-Stiftung</ref>

Maßnahmen in Europa


Einzelne Aspekte der Vereinbarkeit von Familie und Beruf sind in Artikel 33 der Charta der Grundrechte der Europäischen Union<ref>[url:http://www.datenschutz-berlin.de/recht/eu/ggebung/charta.htm|Charta der Grundrechte der Europäischen Union]</ref> (Artikel II-93 des Vertrags für eine Verfassung für Europa]]<ref>[url:http://europa.eu.int/constitution/download/part_II_DE.pdf|Vertrag für eine Verfassung für Europa] (pdf)</ref>) verankert:

Artikel 33 - Familien- und Berufsleben
(1) Der rechtliche, wirtschaftliche und soziale Schutz der Familie wird gewährleistet.
(2) Um Familien- und Berufsleben miteinander in Einklang bringen zu können, hat jede Person das Recht auf Schutz vor Entlassung aus einem mit der Mutterschaft zusammenhängenden Grund sowie den Anspruch auf einen bezahlten Mutterschaftsurlaub und auf einen Elternurlaub nach der Geburt oder Adoption eines Kindes.

Andere sind in einer der Leitlinien 2005-2008 der Europäischen Beschäftigungsstrategie <ref>[url:http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/site/de/oj/2005/l_205/l_20520050806de00210027.pdf|Leitlinien 2005-2008], Amtsblatt der Europäischen Union, L 205/21, 06.08.2005 (abgerufen am 12.10.2006)</ref> aufgeführt:

Leitlinie 18: Durch folgende Maßnahmen einen lebenszyklusbasierten Ansatz in der Beschäftigungspolitik fördern: [...]
- eine bessere Vereinbarkeit von Arbeits- und Privatleben anstreben und zugängliche und erschwingliche Betreuungseinrichtungen für Kinder und sonstige betreuungsbedürftige Personen bereitstellen; [...]

Die weiteren Ausführungen beziehen sich -vorläufig- zunächst auf folgende (deutschsprachige oder teilweise deutschsprachige) Staaten.

Deutschland, Österreich und die Schweiz

Deutschland

Im Gegensatz zu denjenigen Mitteln der Familienpolitik, die die Familie an sich (zum Beispiel [wiki:Ehegattensplitting]), das Aufziehen von Kindern (beispielsweise Kindergeld) oder die sekundäre Bildung (etwa BAFöG) der Kinder unterstützen, bezieht sich die Vereinbarkeit von Familie und Beruf auf Maßnahmen, die direkt auch mit einer beruflichen Tätigkeit von Eltern in Zusammenhang stehen. Eine dieser Maßnahmen ist das am 29. September 2006 vom Bundestag beschlossene Elterngeld, das für Kinder, die ab dem 1. Januar 2007 geboren sind, das Erziehungsgeld ersetzt. Das Elterngeld soll bis zu 12 oder 14 Monate lang die durch Kleinkindbetreuung entstehenden Einkommensverluste teilweise ausgleichen. Von Kritikern wird entgegengehalten, dass das Elterngeld nicht sozial gerecht sei, und dass es auch für berufstätige Eltern insofern keine Lösung darstelle, da im Anschluss an diese Zeit weiterhin nicht ausreichend Krippenplätze zur Verfügung stehen und somit die berufliche Kontinuität ohnehin nicht gegeben sei.

Andere Aspekte der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, so etwa in Bezug auf die [wiki:Arbeitszeitgestaltung], werden mehr der Arbeitsmarktpolitik zugerechnet als der Familienpolitik; hingegen gehört die steuerliche Absetzbarkeit oder Subvention von Kosten für Haushaltshilfe und Kinderbetreuung zum Bereich der Finanzpolitik.

Im Jahr 2005 wurde von der Prognos AG in Zusammenarbeit mit dem Familienministerium und "Die Zeit" der Familienatlas<ref>[url:http://www.bmfsfj.de/Kategorien/Publikationen/Publikationen,did=23758.html|http://www.bmfsfj.de/Kategorien/Publikationen/Publikationen,did=23758.html]</ref><ref>http://www.prognos.com/familienatlas/</ref> herausgegeben, einer Klassifikation von Kreisen und Städten Deutschlands anhand von Familienfreundlichkeitsprofilen. Insbesondere werden dabei auch Aspekte der Infrastruktur bezüglich Krippen, Kindergärten, Ganztagsbetreuung, familienfreundichen Unternehmen und Flexibilität des Arbeitsmarkts ausgewertet, die als Indikatoren für eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf angesehen werden <ref>[url:http://www.prognos.com/familienatlas/p_familienatlas_karten.html|http://www.prognos.com/familienatlas/p_familienatlas_karten.html]</ref>.

In der Kinderbetreuung bestehen markante Unterschiede zwischen West und Ost. In den neuen Bundesländern besuchen Kinder berufstätiger Eltern in der Regel eine Krippe, einen Kindergarten und anschließend einen Schulhort, wobei diese drei Formen der Kindertagesbetreuung oft in einer ganztägig geöffneten Kindertagesstätte zusammengefasst sind. In Westdeutschland besteht kein solch homogenes staatliches Betreuungsangebot; so spielen informelle Netzwerke und private Betreuungsformen eine größere Rolle, wobei das Engagement der Eltern, etwa im Alltag von Betreuungseinrichtungen und Schulen sowie für die Hausaufgabenbetreuung, oft als selbstverständlich gilt. <ref name="LudSchle-2002">Isolde Ludwig, Vanessa Schlevogt: [url:http://www.ifs.uni-frankfurt.de/forschung/erwerbstaetige_muetter/besserezeiten.htm|Bessere Zeiten für erwerbstätige Mütter? Eine neue Balance zwischen Arbeit und Privatleben als Zukunftsmodell für Frauen und Männer], in: WSI Mitteilungen, 3/2002 (abgerufen am 02.10.06)</ref>

Gesetze

während der Elternzeit)], Anhang C: Historischer Überblick über die Entwicklung der Elternzeit, Seiten 133-135, Juni 2004 (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend</ref>. Es wurde zuletzt geändert am 30. Juli 2004.

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend veröffentlicht Informationen unter anderem zu Gesetzen und Gesetzesentwürfen zum Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Österreich

Ein Kinderbetreuungsgeld (KBG) in Höhe von 436 € monatlich ersetzt für alle ab 1. Januar 2002 geborenen Kinder das bis dahin geltende Karenzurlaubsgeld; im Bedarfsfall ist zusätzlich eine rückzahlbare Überbrückungshilfe in Höhe von 181 € monatlich möglich. Dabei kann bis zu einer bestimmten Grenze ohne Leistungskürzungen hinzuverdient werden: bis zu 14.600 € im Kalenderjahr, wobei nur die Einkünfte des Elternteils, das das KBG erhält, berücksichtigt werden <ref name="2-NAPSA-S38">[url:http://ec.europa.eu/employment_social/social_inclusion/docs/2005/at_de.pdf|Umsetzungsbericht 2. Nationaler Aktionsplan für soziale Eingliederung 2003 – 2005], Bundesministerium für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz im Auftrag des Ministerrates, Wien, Juni 2005, Abschnitt 4. "Good Practice", Seite 38</ref>. Die Möglichkeit, anrechnungsfrei hinzuzuverdienen, soll auch den Wieder- oder Neueinstieg von Eltern mit Kleinkindern in den Arbeitsmarkt erleichtern <ref name="2-NAPSA-S17">[url:http://ec.europa.eu/employment_social/social_inclusion/docs/2005/at_de.pdf|Umsetzungsbericht 2. Nationaler Aktionsplan für soziale Eingliederung 2003 – 2005], Bundesministerium für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz im Auftrag des Ministerrates, Wien, Juni 2005, Abschnitt 3.1.3. "Vereinbarkeit von Familie und Beruf", Seite 17</ref>. Das Kinderbetreuungsgeld wird 30 Monate gezahlt, oder aber maximal 36 Monate sofern sich beide Eltern der Kinderbetreuung widmen <ref name="2-NAPSA-S17"/>; der Kündigungsschutz besteht allerdings nur bis zum zweiten Geburtstag des Kindes <ref name=Elternkarenz-FEMAIL>[url:http://www.femail.at/5_files/infomappe/Elternkarenz2006.pdf#search=%22Elternkarenz%20Jahre%20%C3%96sterreich%20K%C3%BCndigungsschutz%22|Elternkarenz] bei www.femail.at</ref>.

Ein Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz besteht in Österreich nicht, wird aber diskutiert <ref>[url:http://www.sozialstaat.at/presse/zeitung_berger.shtml|Mehr Rechte für Kinder und Jugendliche nötig], Ernst Berger, bei: www.sozialstaat.at</ref><ref>[url:http://oesterreich.orf.at/ooe/stories/97579/|[1]]</ref><ref>[url:http://www.gruene.at/uploads/media/Bildungsland__Oesterreich_BeschlussBUKO.pdf|Bildungsland Österreich - Vom Mittelfeld zur Spitze],Antrag für den Bundeskongress der Grünen am 4./5. März 2006</ref>.

Ein Rechtsanspruch auf [wiki:Teilzeit] (Elternteilzeit) bei gleichzeitigem Recht auf Rückkehr zur ursprünglichen Arbeitszeit besteht seit 1. Juli 2004 in Betrieben mit mehr als 20 Beschäftigten nach einer Beschäftigungsdauer von mindestens 3 Jahren (wobei eine eventuelle Karenzzeit angerechnet wird <ref name=Elternkarenz-FEMAIL/>) für Eltern von Kindern bis zum vollendeten 7. Lebensjahr des Kindes, beziehungsweise bis zu seinem Schuleintritt, sofern dieser später ist. <ref>[url:http://klub.oevp.at/download/1077.pdf|Österreich >> erfolgreich: Die Halbzeitbilanz des ÖVP-Parlamentsklubs, Dezember 2004]</ref><ref>[url:http://www.htv.or.at/content/index2.php?page=archive&content=service/aenderungen2005.htm|Arbeitsrechtliche Änderungen 2004 und 2005 im Überblick] bei www.htv.or.at</ref>. Auch eine Verlegung der Arbeitszeit kann verlangt werden, etwa eine Vier-Tage Woche bei gleicher Wochenstundenzahl <ref>[url:http://www.dbj.at/phps/start.php?noie=1&lang=de&content=publikationen_show.php&navi=publikationen&publikation_nr=333|Recht auf Elternteilzeit auch in kleinen Unternehmen?] bei www.dbj.at</ref>. Der Kündigungsschutz für Eltern, die sich in der Elternteilzeit befinden, besteht bis vier Wochen nach dem 4. Geburtstag des Kindes <ref name=Elternkarenz-FEMAIL/>. Kritiker bemängeln die Erfordernisse der dreijährigen Betriebszugehörigkeit und der Betriebsgröße von über 20 Mitarbeitern, sowie Schwierigkeiten der Umsetzung des Rechtsanspruchs in den Unternehmen, insbesondere für Führungskräfte <ref>[url:http://diestandard.at/?url=/?id=2511123|"Elternteilzeit" schwächelt in der Umsetzung] bei dieStandard.at, 10.07.2006</ref>; andere befürchten negative Auswirkungen auf die Neueinstellung junger Frauen<ref>[url:http://diestandard.at/?url=/?id=2241476|Probleme mit der Elternteilzeit] bei dieStandard.at, 14.11.2005</ref>.

Schweiz

Die eidgenössiche Volksabstimmung über die Änderung des Erwerbsersatzgesetzes (für Dienstleistende und bei Mutterschaft) vom 26. September 2004 ergab 55% Ja-Stimmen. Das entsprechende Gesetz trat am 1. Juli 2005 in Kraft; seitdem erhalten erwerbstätigen Frauen 14 Wochen nach der Geburt 80% des zuletzt erzielten Lohnes mit einer Grenze von 172 SFr. pro Tag. <ref>[url:http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/regionen/gleichstellungsatlas/vereinbarkeit_von_familie_und_erwerbsarbeit/blank/mutterschaftsversicherung.html|Bundesamt für Statistik » Regional » Frauen- und Gleichstellungsatlas Schweiz » Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit und Familie » Mutterschaftsversicherung]</ref>. Die Schweizer Kantone haben zum Teil großzügigere Bestimmungen; mehr Informationen dazu siehe Schweizer Mutterschaftsversicherung.

Bis Anfang 2005 wurden finanzielle Leistungen während der Zeit des mutterschaftsbedingten Beschäftigungsverbotes, wie auch bei sonstiger Arbeitsunfähigkeit, gemäß der „Berner Skala“ oder kollektiven Übereinkünften nur für eine meist kürzere, vom Dienstalter abhängige Zeitspanne gewährt <ref>[url:http://www.oecd.org/document/63/0,2340,en_2649_201185_31588543_1_1_1_1,00.html|Babies and Bosses - Reconciling Work and Family Life (Vol. 3): New Zealand, Portugal, Switzerland], Tabelle A.4, Seite 215</ref>; die Eidgenössische Volksinitiative für einen wirksamen Schutz der Mutterschaft war 1984 gescheitert.

Ein wichtiges Element für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in der Schweiz sind die betrieblichen Rahmenbedingungen. Die "Plattform für Familie und Beruf" <ref>[url:http://www.familienplattform.ch/familienplattform/index.htm|"Plattform für Familie und Beruf"]</ref>eine Zusammenarbeit des Schweizerischen Arbeitgeberverbandes, Pro Familia und Pro Juventute, stellt Unternehmen mit familienfreundlichem Profil vor. Darin stechen Merkmale wie individuelle [wiki:Arbeitszeitmodell] ([wiki:Gleitzeit], vier-Tage-Woche bei vollem Lohn, [wiki:Arbeitsplatzteilung], [wiki:Telearbeit], Heimarbeit, flexible Verteilung der Arbeitszeit über das Jahr, [wiki:Teilzeit] auch für [wiki:Führungskraft]), [wiki:Sabbatical], betrieblicher Vaterschaftsurlaub, Kinderbetreuung (etwa Arbeitgeberkrippe und Hort) oder auch das Bemühen um langfristig angelegte und strategisch ausgerichtete familienfreundliche Betriebstrukturen hervor. Diese sind umso wichtiger, als die gesamtgesellschaftlichen Rahmenbedingungen der Vereinbarkeit in der Schweiz oft als schwieriger empfunden werden as in anderen Nationen <ref>[url:http://www.familienplattform.ch/familienplattform/unternehmen-ibm.htm|http://www.familienplattform.ch/familienplattform/unternehmen-ibm.htm]</ref>. So stellte auch das Schweizer Bundesamt für Statistik fest, dass Anfang des 21. Jahrhunderts eine zufriedenstellende Vereinbarkeit von Familie und Beruf in der Schweiz weder für Mütter noch für Väter gewährleistet ist <ref>[url:http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/regionen/gleichstellungsatlas/vereinbarkeit_von_familie_und_erwerbsarbeit.html|Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit und Familie], Frauen- und Gleichstellungsatlas Schweiz des Bundesamts für Statistik</ref>.

Betrieb, Familie, Dienstleistungen und öffentlicher Raum

Ganz abgesehen von ihrer politischen Dimension stellt das Vereinbaren von Familie und Beruf auch einen Aspekt der Unternehmensstrategie und ein konkrete Herausforderung für berufstätige Eltern dar.

Informationsportale

Eine Vielzahl von Stellen, teilweise mit öffentlichen Mitteln gefördert, bieten zu praktischen Fragen Informationen, Anregungen und Beratung an:

</ref> unterstützt familienorientiertes Personalmanagement in den Mitgliedsunternehmen durch Beratung, Qualifizierung, Fachveranstaltungen und Informationen.

Familienfreundlicher Betrieb

Zu den relevanten Themen rund um den familienfreundlichen Betrieb, die in den oben genannten Informationsportalen behandelt werden, gehören unter Anderem:

Bestrebungen, familienunterstützende Maßnahmen in Betrieben durchzusetzen, insbesondere auch die Wahlmöglichkeit kürzerer und flexiblerer Arbeitszeiten für Männer und Frauen, werden auch unter dem Begriff Work-life-balance thematisiert. Dieser Ausdruck steht für ein anzustrebendes Gleichgewicht zwischen Berufstätigkeit und Familie sowie auch persönlichen Freizeitinteressen, vor allem unter dem Gesichtspunkt der [wiki:Selbstverwirklichung] oder Sinngebung durch das Individuum. Vereinzelt wird kritisch angemerkt, der Begriff impliziere eine private Angelegenheit und Verantwortung und blende den gesellschaftlichen Blickpunkt aus <ref>[url:http://bildungplus.forum-bildung.de/templates/imfokus_inhalt.php?artid=425|Elegant, leicht, aber irreführend: `Work-Life-Balance´ - Expertinnen tagten zum Thema „Bildungs- und Karrierewege von Frauen“, Katja Haug, Bildung PLUS, 06.06.2005]</ref>.

Herausforderungen innerhalb der Familie und im öffentlichen Leben

Beide Lebensbereiche in Einklang zu bringen stellt Familien vor konkrete Probleme, die flexible Lösungen erfordern.

Soziale Maßnahmen, die zum Teil durch öffentliche Mittel und Krankenkassen organisiert oder finanziert werden und allgemein familienunterstützend wirken, stellen die vielfältig verfügbaren Angebote zur Stressvermeidung und der Alltagsbewältigung in Familie und Beruf, dar: so gibt es für familiäre Belastungssituationen (etwa psychische Belastung, postnatale Depression, übergroße Müdigkeit, Partnerschaftsprobleme, Schreibaby) neben der ärztlichen Versorgung auch häusliche Hebammenbetreuung, Elternkurse, psychologische Beratung, Stillberatung, Mutter-Kind-Kuren; für Schwierigkeiten auf beruflichen Gebiet (etwa bei psychischen Belastungen, [wiki:Mobbing]) gibt es Möglichkeiten von [wiki:Mentoring], [wiki:Coaching], Karriereberatung, [wiki:Berufliche Weiterbildung], psychologischer Beratung und Teambuilding, die teilweise auch betriebsintern angeboten werden.

Anhang

Siehe auch

Bei der folgenden Stichwortliste geht es darum, nach Themenbereichen geordnet weitere Artikel aufzuzeigen, die im Zusammenhang mit diesem Themenbereich von Interesse sein können - ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Einige Aspekte, die für die Vereinbarkeit von Familie und [wiki:Beruf] relevant sein können, sind insbesondere:

Referenzen

<references />

Weitere Weblinks

Länderübergreifend

Einzelne Länder




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