Storytelling (Methode)

Storytelling (deutsch: „Geschichten erzählen“) ist eine Erzählmethode, mit der explizites, aber vor allem implizites Wissen in Form einer Metapher weitergegeben und aktives Zuhören aufgenommen wird. Die Zuhörer werden in die erzählte Geschichte eingebunden, damit sie den Gehalt der Geschichte leichter verstehen. Dadurch wird der Inhalt der Geschichte nicht nur „gehört“, sondern auch „erlebt“.

Das hat den Vorteil, dass das zu transportierende Wissen eher verstanden und angenommen wird. Auf dem Erzählen beruhte vor der Erfindung der Schrift die Weitergabe von Wissen von Generation zu Generation. Später wurde die Bedeutung des Erzählens von der Schrift, später von elektronischen Medien eingeschränkt. Heute wird Storytelling neben der Unterhaltung durch Erzähler u. a. auch in der [wiki:Bildung] und im [wiki:Wissensmanagement ]und als Methode zur Problemlösung eingesetzt.

Grundlegendes über die Methode
Eine lebendig erzählte Geschichte gewinnt die Aufmerksamkeit und Konzentration anderer Menschen leichter als eine nüchterne Ansprache. Die Zuhörer versuchen, den Handlungsablauf, den Sinn (die Metapher) zu erfassen und die darin enthaltene Weisheitt zu verstehen. Auch wenn die Zuhörer nicht jede Einzelheit konkret verstehen, werden sie dennoch den Kern der Geschichte begreifen. Beim Zuhören gelangen Menschen oft in einen entspannten Trancezustand, in dem sie Inhalte noch tiefer aufnehmen können. Meist wirkt die Geschichte im Unbewussten weiter, und Erkenntnisse reifen so noch lange weiter. Oft werden auch Fabeln und Anekdoten erzählt, oder eine Weisheit in einer Pointe ausgedrückt. Zum Erzählen gehören neben der Sprache auch weitere persönliche Ausdrucksmittel: Gestik, Mimik, Stimme. Dabei muss das Grundmuster der Geschichte immer aus der Lebenswelt der Zuhörer stammen, also der Welt der Schüler, der Patienten, der Kundschaft oder des Betriebs.

Geschichten-erzählen erfüllt viele Aufgaben: Lebenserfahrung vermitteln, Wissen weitergeben, Sachinformationen vermitteln, Problemlösungen aufzeigen, Denkprozesse einleiten, Rollenerwartungen definieren, [wiki:Verhaltensänderung] anregen, Repertoire an Verhaltensweisen erweitern, Unterhaltung, Normen und Werte vermitteln, Anschauungsvermögen fördern, zum Handeln motivieren, Hoffnung stiften, Sinn geben.

In Unternehmen werden Geschichten strategisch dazu eingesetzt, um Traditionen, Werte und [wiki:Unternehmenskultur ]zu vermitteln, um Ressourcen zu wecken, aber auch um Konflikte in einer Metapher bildhaft und „unter die Haut gehend“ erfahrbar zu machen und Lösungswege aufzuzeigen. Mitarbeiter-Erzählungen werden genutzt, um Auskunft über die [wiki:Unternehmenskultur] zu erhalten und um kostspielige Prozessschwächen aufzudecken.

Eine der bekanntesten Storytelling-Methoden in diesem Zusammenhang ist der Mitte der 90er Jahre am [wiki:Massachusetts Institute of Technology]|MIT, USA entwickelte „[wiki:Learning-Histories-Ansatz]“. Mit dieser Methode wird (Erfahrungs-)Wissen von Mitarbeitern über bestimmte Ereignisse im Unternehmen (wie z. B. eine [wiki:Reorganisation], eine Fusion (Wirtschaft)|Fusion, ein Pilotprojekt) aus unterschiedlichsten Perspektiven der Beteiligten mittels [wiki:Interview]s erfasst, ausgewertet und in Form einer gemeinsamen Erfahrungsgeschichte aufbereitet. Ziel ist, die gemachten Erfahrungen, Tipps und Tricks zu dokumentieren und damit für das gesamte Unternehmen übertragbar und nutzbar zu machen.<ref>Thier, 2005, Erlach & Thier, 2004, Kleiner & Roth, 1998</ref>


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