Sprachökonomie

Den Begriff "Sprachökonomie" haben nicht Ökonomen geprägt, sondern Sprachwissenschaftler. Der sparsame Umgang mit Wörterngelte nicht nur für Dichter, schreibt der Sprachwissenschaftler Willy Sanders, um so mehr aber für die Wirtschaft, für Unternehmen, wo nach dem ökonomischen Prinzip der Nutzenmaximierung verfahren werde. Sprachökonomie, so Sanders, vereinfache eine Sprache und erhöhe ihre Effizienz.

Sprachökonomie: Kürzer, präziser und verständlicher schreiben

Das ist ein merkwürdiger Widerspruch. Fach- und Führungskräfte denken und handeln wirtschaftlich, gehen aber mit Worten verschwenderisch um und schreiben einen wortreichen, ausladenden Stil. Sie sprechen von Zielsetzungen, Motivationen, Innovationspotenzialen, technischer Realisierbarkeit und Kommunikationsproblematik. Sie holen weit aus und schreiben Bandwurmsätze. Sie verschwenden mit ihren ausladenden Texten ihre kostbare Zeit und handeln unwirtschaftlich. Sie ignorieren mit ihren schwer verständlichen Texten gleichzeitig die Zeit und die Arbeitskraft der Leser, denn ein gut formulierter Text wird schneller verstanden. Angenehm soll die Sprache sein, nicht geschwätzig, aufgeblasen, abstrakt und floskelhaft. In der Schriftsprache sollten wir auf den Genitiv und den Konjunktiv nicht verzichten.

Das Erscheinungsbild der Unternehmen im Internet, in Geschäftsberichten und Firmenbroschüren bleibt in der Sprache weit hinter der Qualität ihrer Produkte zurück. Der ausladende Sprachstil ist ökonomisch betrachtet Verschwendung. Würde man knapp und prägnant formulieren, könnte man viel Geld und Zeit sparen. Die Firmen brauchen „Sprachökonomen“ und den Willen, etwas zu ändern.

Es kommt nicht nur darauf an, grammatikalisch „korrekt“ zu schreiben. Gute Texte erfüllen folgende Standards:


Kurz, prägnant und verständlich schreiben

Eine knappe Ausdrucksweise steht im Gegensatz zu der Weitschweifigkeit, zum ausladenden Stil, der sich in den Unternehmen breit gemacht hat. Wer sich in kurzen Sätzen verständlich und präzise ausdrücken kann, diszipliniert sich, weil er sich beim Schreiben zwingt, seine Gedanken zu ordnen. Das spart Zeit und Geld: Keine lästigen Rückfragen, weniger Zeitaufwand durch Fehlerkorrektur, Kunden werden nicht verärgert.

Was ich schreibe soll kurz , auf das Wesentliche beschränkt und schnell zu verstehen sein. Kompliziertes kann man einfach und verständlich ausdrücken. Irrtümer und Nachfragen werden vermieden.


Anschaulich, lebendig und präzise schreiben

Sprache hat viel mit Gefühl zu tun. Auch bei Sachtexten muss die Sprache nicht trocken sein. Bilder machen einen Text anschaulich. Es dürfen nur keine schiefen Bilder sein. Der Vorstandsvorsitzende eines großen Auto-Konzerns schreibt im Geschäftsbericht:

Mit eigenen Innovationen wollen wir auf der Überholspur fahren.

Wer immer auf der Überholspur fährt, macht sich arg unbeliebt und verhält sich nicht gerade fair. Hier ein positives Beispiel, ein Text aus einem Arbeitszeugnis:

Er hat einen guten Draht zu seinen Kunden und vertrauensvolle Beziehungen zu seinen Mitarbeitern. Sie ziehen alle an einem Strang.

Hier ein Satz, den man recht oft hört und liest:

Er motiviert seine Mitarbeiter.

Ist das präzise formuliert? Weiß der Empfänger, was genau darunter zu verstehen ist? Das klingt zunächst einmal positiv. Aber was ist genau gemeint? Auf den zweiten Blick ist dieser Satz doch sehr allgemein, schwammig und ungenau. Was könnte gemeint sein?

- gibt seinem Team Impulse

- informiert rechtzeitig

- vereinbart Ziele und Leistungsstandards

- unterstützt seine Mitarbeiter bei ihren Aufgaben

- gibt ihnen eine Rückmeldung über ihre Leistungen

- fördert ihre berufliche Entwicklung

- gibt ihnen Freiräume für eigene Entscheidungen

- vermittelt ihnen das Gefühl, dass ihre Arbeit wichtig ist.


Empfängerorientiert schreiben

Wer einen wirksamen Text schreiben will, einen Brief, eine E-Mail, einen Bericht, ein Protokoll oder ein Angebot, will etwas bewirken: Gefühle auslösen, andere überzeugen, informieren, begeistern, jemand veranlassen etwas zu tun oder zu unterlassen, ein bestimmtes Produkt zu kaufen oder bestimmte Aktien nicht zu kaufen. Nicht nur beim Werbebrief geht es um die Frage: Worauf reagiert der Empfänger?


Sachliche und logische Gliederung

Der Text ist übersichtlich und folgerichtig. Der rote Faden wird sichtbar. Ein gut strukturierter Text ist leichter lesbar. Wer in einer Firma Briefe, Angebote, Verträge, Protokolle oder Aktennotizen schreibt, muss kein Sprachkünstler sein und formulieren können wie Arthur Schopenhauer oder Heinrich Heine. Aber er sollte in der Lage sein, klare und verständliche Sätze zu schreiben.


Was Firmen tun können

Man wünscht den Firmen mehr „Sprachökonomen“, damit sich etwas ändert, zum Nutzen der Unternehmen. Wenn der Wille da ist, etwas zu verändern, wird man auch Führungskräfte und Mitarbeiter finden, die Freude daran haben, Texte kürzer, anschaulicher und wirksamer zu formulieren. Eine Projektgruppe könnte Mustertexte formulieren und allen Mitarbeitern in einem Handbuch zur Verfügung stellen.


Literaturhinweise

Langer / Schulz von Thun / Tausch: Sich verständlich ausdrücken, München 1999

Leonhardt, Rudolf Walter: Auf gut Deutsch gesagt, München 1986

List, Karl-Heinz: Einfach gut formulieren - Kurz, klar und korrekt schreiben, für Chefs und Personaler, Nürnberg 2007

List, Karl-Heinz: >Verständlich schreiben< lernen, München 2008 -
ISBN (E-Book) 9783640165681 - http://www.grin.com/e-book/114150/verstaendlich-schreiben-lernen

Reiners, Ludwig: Stilkunst, München 1991

Sanders, Willy: Gutes Deutsch, München 2002

Schneider, Wolf: Deutsch – Das Handbuch für attraktive Texte, Reinbek 2005



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