Prekariat

Der Begriff „Prekariat“ ist ein Neologismus der Soziologie, der sich aus den Worten „prekär“ und „Proletariat“ zusammensetzt. Gemeint ist eine soziale Gruppierung, die unter unsicheren Arbeitsverhältnissen lebt. Dazu können einfache Arbeiter und Angestellte, Zeitarbeiter, einkommensschwache Selbständige oder Langzeitarbeitslose gehören. Ein Gegenpol dazu bildet die Wissenselite, die im Personalmanagement häufig im Mittelpunkt steht.


Entstehung und Bedeutung des Begriffs

Mit einer Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung vom Dezember 2006 („Gesellschaft im Reformprozess“) avancierte der Begriff „Prekariat“ zum Modewort. Die Gesellschaft der deutschen Sprache wählte den Begriff damals auf Platz 5 der Wörter des Jahres. In den Medien kam in der Folge auch die wissenschaftlich nicht ganz korrekte Bezeichnung „Neue Unterschicht“ auf. Soziologen lehnen diesen Begriff jedenfalls als zu unpräzise ab, denn das Prekariat definiert keine sozial homogene Gruppierung. Nicht nur Menschen mit schlechter [wiki:Ausbildung] leben heute in prekären Verhältnissen, sondern beispielsweise auch Wissenschaftler und Künstler.

Die Abgrenzung des Prekariats ist allerdings nicht ganz eindeutig. Der italienische Politologe Alex Foti hat folgende These aufgestellt: „Das Prekariat ist in der post-industriellen Gesellschaft, was das [wiki:Proletariat] in der [wiki:Industriegesellschaft] war“. Nach der Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung gehören zum Prekariat die Untergruppen des „abgehängten Prekariats“, die „autoritätsorientierten [wiki:Geringqualifizierte]n“ sowie ein Teil der „selbstgenügsamen Traditionalisten“. 6,5 Millionen Deutsche seien abhängig prekär beschäftigt. Nach Statistiken des DGB breitete sich 2007 die als „prekär“ bezeichnete [wiki:Beschäftigung] weiter aus: Verglichen mit 2003 gab es demzufolge doppelt so viele (650.000) [wiki:Zeitarbeit]er, 600.000 [wiki:Ein-Euro-Job]ber, 440.000 [wiki:Vollzeittätige], die auf [wiki:Hartz IV] angewiesen sind, und 1,3 Millionen arbeitende sogenannte „[wiki:Aufstocker]“, die ihr Arbeitslosengeld aufbessern müssen (Quelle: Wikipedia).

Einstellungen im Prekariat

Das Prekariat zeichnet sich der Studie „Gesellschaft im Reformprozess“ zufolge durch eine tiefgreifende Hoffnungslosigkeit und Resignation aus. Anders als der [wiki:Generation Praktikum] fehle ihm die Zuversicht, die Arbeitssituation aus eigener Kraft verbessern zu können. Das bestätigte im Frühjahr 2009 eine Studie der Universitäten Göttingen und Heidelberg. Die Zeiten eines hochqualifizierten, selbstbewussten, gar klassenkämpferischen [wiki:Proletariats] seien offensichtlich auf immer vorbei. Demnach können viele Vertreter des Prekariats mit dem Begriff der "Chance" nichts anfangen oder reagieren sogar ablehnend bis wütend. Es dominiere die Einstellung, dass die „Chancen-Bildungs-Gesellschaft“ keine Möglichkeiten des Weiterkommens biete.

Folgen für das Personalmanagement

Viele Experten vermuten, dass im Zuge des demografischen Wandel zukünftig qualifizierte Fachkräfte fehlen. Deshalb werden Forderungen von Seiten der Wirtschaft und des [wiki:Personalmanagement]s laut, die Anstrengungen im gesamten [wiki:Bildungssystem] zu verstärken. So zum Beispiel auf dem ZukunftsForum Personal 2009 in München, das als Motto der Veranstaltung den Titel "Zwischen [wiki:Wissensavantgarde] und Prekariat - Herausforderungen für das System Arbeit am Standort Deutschland" gewählt hatte.

Dort formulierten die Veranstalter den „Münchner Appell“: [wiki:Bildung] sei schon jetzt eine der wichtigsten gesellschaftlichen Strukturen und Prozesse, mit denen die [wiki:Personalarbeit] zu rechnen habe. Entsprechend müssten [wiki:HR-Verantwortliche] versuchen, auf diesen vorgelagerten Prozess Einfluss zu nehmen und so die Zukunftsfähigkeit im System Arbeit zu sichern. „Talent ist überall. Wir fördern es da, wo es keiner vermutet. Wir haben eine Talentlücke, wir haben sie oben und wir haben sie unten. Wir müssen diese Lücke füllen“, sagte Oliver Maassen, Vorstandssprecher der HR Alliance und Executive Vice President Human Resources bei der HypoVereinsbank. Er forderte von den politisch Verantwortlichen „das dreigliedrige [wiki:Schulsystem] abzuschaffen und in ein durchgängiges System zu überführen“. Zugleich rief Maassen die anwesenden Personalmanager dazu auf, „in ihrem beruflichen Umfeld Initiativen ins Leben zu rufen, die [wiki:soziale Mobilität] fördern, insbesondere der jungen Menschen in [wiki:Hauptschule]n und mit [wiki:Migrationshintergrund].“

Folgen für das Talentmanagement in Unternehmen

Eine Schwierigkeit besteht für das [wiki:Personalmanagement] in diesem Zusammenhang aktuell darin, Gestaltungsmöglichkeiten für [wiki:Wissensarbeiter] und einfache Arbeiter gleichermaßen anzubieten. In wirtschaftlich angespannten Zeiten steht diese Haltung ganz besonders auf dem Prüfstand. Einerseits reißt die intensive Suche nach Fach- und Führungskräften nicht ab. Doch während Unternehmen Top-Talente mit flexiblen Arbeitsbedingungen, Leistungsprämien, [wiki:Talentmanagement] und sonstigen [wiki:Incentive]s locken, besteht andererseits die Gefahr, dass [wiki:Personaler] den Kontakt zu den einfachen Mitarbeitern verlieren.

Welche Haltung [wiki:Personaler] hier einnehmen sollten, ist umstritten wie beispielsweise im September 2009 die Podiumsdiskussion „Personal normal“ auf der Messe Zukunft Personal in Köln zeigte. Dort waren einerseits Appelle an die Personalverantwortlichen zu hören, [wiki:Talentmanagement] auf die gesamte Belegschaft anzuwenden. Doch auch die Meinung, dass intensives Talentmanagement für einen kleinen Teil der Mitarbeiter nicht schlecht sei, war vertreten. Schließlich strebe nicht jeder eine [wiki:Karriere] als [wiki:Führungskraft] mit hoher [wiki:Verantwortung] an.

Linktipps

[url:http://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4kariat|http://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4kariat]
[url:http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,616392,00.html|http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,616392,00.html]
[url:http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,616392,00.html|http://www.hr-alliance.info/pdf/Pressemitteilungen/09_09_29ZFP_final.pdf]
MP3 der Podiumsdiskussion „Personal normal“, 23.09.09, 14.30 Uhr


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