Praktikum

Der Begriff Praktikum (Plural Praktika) bezeichnet die praktische Vertiefung zuvor erworbener theoretischer Kenntnisse in praktischer Anwendung.

Zielsetzungen

Für Schüler und Studenten erfüllen Praktika in Unternehmen unterschiedliche Zielsetzungen. Sie dienen der Orientierung, entspringen dem Interesse an einer praxisnahen Vertiefung von Erlerntem, oder dem Wunsch nach einer praktischen Fortbildung.Die Tätigkeit in einem Unternehmen ist insbesondere für Schüler und studentische Vorpraktikanten eine wichtige Orientierungschance. Ferien- und Schülerbetriebspraktikanten z.B. bekommen einen ersten Einblick in die Berufs- und Arbeitswelt und erhalten dadurch die Möglichkeit, ein Berufsfeld sowie das soziale Beziehungs- und Spannungsfeld eines Betriebes unmittelbar kennen zu lernen. Darüber hinaus werden die Jugendlichen aber auch angeregt, sich intensiv und kritisch mit der Wirtschafts- und Arbeitswelt auseinander zu setzen und die eigenen Berufsvorstellungen und -wünsche gewissenhaft zu prüfen.Fachpraktikanten (Schüler, Studenten) vertiefen in längeren Praktika das im Unterricht bzw. Studium Gelernte bzw. erhalten die Grundlage für ein fundiertes Verständnis späterer Studieninhalte.Speziell das Vorpraktikum gibt den künftigen Studenten die Möglichkeit, ihr späteres Arbeitsfeld sozusagen "von der Pike auf" kennenzulernen.Für angehende Lehrer bedeuten die Betriebspraktika eine unterrichtsbezogene Fortbildung, um arbeits- und berufsweltbezogene, ökonomische Unterrichtsinhalte praxisnäher vermitteln zu können oder um sich über technische Neuerungen zu informieren.

Sinnvoll und für ein Unternehmen auch oft von Nutzen ist die Vergabe eines kleineren oder größeren Projektes. Insbesondere längere studentische Praktika und Diplomarbeiten geben dem Unternehmen zusätzliche Möglichkeiten neue Methoden auszuprobieren, umfangreichere Datenanalysen durchzuführen, neue Pläne zu erarbeiten. Betriebliche notwendige Tätigkeiten, für die im Betriebsalltag aber oft keine Zeit bleibt.

Geschichte

Als Praktikant bezeichnete man im 16. Jahrhundert ursprünglich eine Person, die unsaubere Praktiken betreibt. Seit dem 17. Jahrhundert hat sich die heute gebräuchliche Bedeutung eingebürgert, dass es sich dabei um jemanden handelt, der ein Praktikum absolviert. Praktika sind grundsätzlich Tätigkeiten zur Ausbildung oder Probe.

Arbeitswelt

Als Praktikum wird innerhalb der [wiki:Personalwirtschaft] eine Tätigkeit bezeichnet, die im Rahmen der [wiki:Beruf] Ausbildung (auch [wiki:Studium]) praktische Erfahrungen im künftigen Beruf vermitteln soll. Ein Praktikum kann im Rahmen eines [wiki:Betriebspraktikum] bei einem Betrieb stattfinden, in Hochschulen kann dies auch im Rahmen eines Kurses der Fall sein. Praktika können auch als Bestandteil einer von der Bundesagentur für Arbeit angebotenen Förderung der [wiki:Berufliche Weiterbildung] (FbW) im Rahmen des SGB III absolviert werden.

In Deutschland sind Praktikanten in der Regel - unabhängig von der Höhe des Entgelts - sozialversicherungsfrei, wenn

Ein Praktikum ist dann sozialversicherungspflichtig, wenn es durch die Studien- und Prüfungsordnung der Hochschule nicht abgedeckt ist.Rechtsgrundlage: [url:http://www.bmgs.bund.de/download/gesetze_web/sgb05/sgb05x006.htm|SGB5.§6.(1).3]

Alle anderen Praktikanten sind sozialversicherungspflichtig, wenn das monatliche Entgelt 400,00 EUR übersteigt (Geringfügigkeitsgrenze). Der weit verbreiteten Auffassung, dass Praktikanten unentgeltlich zu arbeiten haben, widerspricht die Rechtsprechung. So hat das hessische Landesarbeitsgericht bereits 1999 in einem entsprechenden Verfahren festgestellt, dass Praktikanten gemäß [wiki:Berufsbildungsgesetz] (BerBiFG) grundsätzlich einen Anspruch auf angemessene Bezahlung haben (Link unten). Dies gilt insbesondere dann, wenn der Praktikant Arbeiten verrichtet, die berufstypisch für eine reguläre Fachkraft gelten. Die entsprechende Entlohnung hat sich dann theoretisch an den verkehrsüblichen Gehältern zu orientieren. Oft bemisst sich die Entlohnung nach dem Lebensalter des Praktikanten.

Bei zunehmender [wiki:Arbeitslosigkeit] ist das oft Theorie. Viele sind letztlich froh, überhaupt genommen zu werden und Praktikantenvergütungen verglichen mit vor zehn, zwanzig Jahren sind gekürzt oder entfallen: und das ohne vergleichbare Chance auf nachfolgende Anstellung. Inzwischen ist in Deutschland deshalb von einer "Generation Praktikant" die Rede.

Praktikanten, die Unterhaltssicherungsleistungen der Arbeitsagentur erhalten, haben während eines Betriebspraktikum im Rahmen von öffentlich finanzierten Umschulungs- und Fortbildungsmaßnahmen keinen gesonderten Anspruch auf eine Vergütung, da der Lebensunterhalt für ihre berufliche Bildung bereits finanziert wird.

Im Arbeitsleben kommt es jedoch auch immer häufiger vor, dass Praktikanten aus Kostengründen als Ersatz für reguläre [wiki:Arbeitnehmer] beschäftigt werden: der Begriff "Generation Praktikum" steht zugleich für verschiedenste Praktika hintereinander, ohne dass die (eher) ehrenamtliche Tätigkeit in eine bezahlte mündet. In vielen, nicht mehr nur geistes- und sozialwissenschaftlichen Bereichen ist ein Berufseinstieg ohne die vorherige Ableistung unbezahlter Praktika kaum noch möglich. Vor kurzem wurde eine Petition gegen den Missbrauch von Praktikanten an den Bundestag gerichtet, die inzwischen eingereicht wurde (siehe Weblinks, Stand 28.Juni 2006).

In Frankreich steht "generation precaire", in Italien sogar ein erfundener Schutzheiliger "San Precario" für verunsichernd, früher waren das etwa saisonal beschäftigte Hilfsarbeiter, heute trifft es auch die bisweilen demonstrierende akademische Mittelschicht: Immer weniger junge Menschen finden ein festes [wiki:Arbeitsverhältnis]. "Prekär" sind immer nur Praktika, Jobs, sowie stets äußerst befristete Stellen. Manchmal sagt man "Praxistraining", um nicht zu demotivieren.

Schule

In naturwissenschaftlichen Fächern sind Praktika zum einen Stunden in denen Experimente durchgeführt werden. In Baden-Württemberg geschieht dies in manchen Klassenstufen sogar in einem eigenen Schulfach.

An vielen Schulen wird in den oberen Klassen die Möglichkeit geboten, im Rahmen eines Praktikums in einem Betrieb mehr über Berufe und die Arbeitswelt zu erfahren (z.B. BOGY).

Einen besonders großen Stellenwert haben Praktika an [wiki:Waldorfschule]. In den Klassen 9 bis 12 werden zumindest ein Landwirtschaftspraktikum, ein Feldmesspraktikum (angewandte Mathematik) und ein Sozialpraktikum von jeweils zwei bis vier Wochen Länge absolviert. An vielen Waldorfschulen werden noch weitere Möglichkeiten für Betriebspraktika geboten, zum Teil verbunden mit Elementen der Berufsausbildung bis hin zu anerkannten Berufsabschlüssen, die parallel zum Waldorfschulabschluss und staatlichen Schulabschlüssen erworben werden.In Haupt- und Realschulen wird das Praktikum meist in der 9. Klasse angeboten; in Gymnasien in der 9. oder 10. Klasse. Für Schüler ist es sehr wichtig einen Blick in das Arbeitsleben zu werfen.

Siehe auch

Literatur

Weblinks




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