Eines der ersten bekannten Lift-outs ereignete sich im Anschluss an den zweiten Weltkrieg. Der Luftwaffenoffizier Tex Thornton nahm das Jobangebot des Autobauers Ford nur unter der Bedingung an, sein etwa zehn-köpfiges Organisationsteam mitnehmen zu dürfen.
Weitere Beispiele:
- Lehman Brothers: Mit der Pleite des legendären Finanzriesen verloren viele Banker ihre Jobs. Doch einzelne Teams übernehmen andere Bankhäuser – so umwirbt etwa die japanische Investmentbank Nomura Profis, die sich mit Tipps und Tricks im internationalen Geschäft auskennen.
- Rölfs Partner: Die Beratungs- und Prüfungsgesellschaft konnte sich kürzlich ein Team aus elf Experten für Wirtschaftskriminalität von dem Konkurrenzunternehmen KPMG einverleiben.
- Sal. Oppenheim: Die deutsche Privatbank konnte im Jahr 2005 ein 40-köpfiges Team aus Fusions- und Investmentbankern von Ernst & Young zum Wechsel bewegen.
Vorteile:
- Recruitingkosten sinken, da alle Mitarbeiter auf einen Schlag wechseln.
- Die Gefahr einer Fehlbesetzung ist geringer, da die Teammitglieder bereits ihr Können unter Beweis gestellt haben.
- Der Aufwand für die Einarbeitung ist minimal.
- Unternehmen können in kurzer Zeit neue Bereiche aufbauen.
Schwierigkeiten:
- Integriert sich das neue Team nicht in die Unternehmenskultur, sind Schwierigkeiten vorprogrammiert – insbesondere bei Lift-outs über Ländergrenzen hinweg.
- Wenn ein Unternehmen mit dem übernommenen Team einen neuen Markt erschließen möchte, muss es vorab das Vorhaben genau prüfen. Fehlt es an einer sorgfältigen Planung für das neue Geschäft, kann auch ein bewährtes Team die strategischen Mängel nicht komplett auffangen.
- Die Preisgabe von firmeninternen Informationen aus dem Umfeld des vormaligen Arbeitgebers können Unternehmen in rechtliche Schwierigkeiten bringen (Beispiel: Der Wechsel des Teams um Ignacio Lopez von General Motors zu Volkswagen im Jahr 1993).
Rezessionen und Krisen einzelner Branchen verschaffen den „Lift-outs“ Auftrieb. Deshalb sollten Unternehmen vor allem in wirtschaftlich schwierigen Zeiten auf der Hut sein: Unter Umständen kommt es sie teuer zu stehen, wenn ganze Teams wegbrechen. Erste Warnsignale für sich anbahnende Lift-outs können Forderungen der Teamleiter nach mehr Freiraum und Verantwortung sein. Wie stark ein Unternehmen vom „Teamklau“ bedroht ist, hängt insbesondere von der Mitarbeiterbindung ab. Fühlen sich die Mitarbeiter nur ihren direkten Kollegen verpflichtet, ist die Gefahr größer, dass die Konkurrenz beim Abwerben Erfolg hat.
