Intuition und Personalauswahl

Entscheidungen müssen rational sein. Davon sind auch heute viele Kinder der Aufklärung überzeugt, allen voran Wissenschaftler. Sie glauben an die mathematische Logik. Trifft das auch für Perosnalentscheidungen zu, wie zum Beispiel für die Entscheidung, wer eingestellt wird?


„Das Herz hat seine Gründe, die
der Verstand nicht kennt.“

Blaise Pascal



Der Psychologe Gerd Gigerenzer, Leiter des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung, schreibt in seinem Buch „Bauchentscheidungen“, dass zeitgenössische Psychologen nichts von Intuition hielten, weil die Gesetze der Logik missachtet würden. „Viele Menschen“, so Gigerenzer, „sind im alltäglichen Leben geneigt, ihren Intuitionen zu vertrauen. Sie wissen, was zu tun ist, wissen aber nicht genau, warum.“

Bauchgefühl – ein guter Ratgeber?

Ist Intuition, das Bauchgefühl, ein guter Ratgeber bei der Entscheidung, wer eingestellt wird? Sind wir nicht vielmehr Opfer unserer Vorurteile, der Wunschvorstellungen, der Werte und dem Glauben an das Gute im Menschen? Nicht jede Bauchentscheidung muss richtig sein, das wissen wir intuitiv und aus Erfahrung. Verstand und Logik sind nicht unfehlbar, aber Gefühl und Intuition auch nicht.

Viele Praktiker, die Personal einstellen, wissen, dass man ein Gespür dafür haben muss, wer der richtige Bewerber ist. Die Entscheidung, wer eingestellt wird, kann schon deswegen keine rationale sein, weil es sich um eine Prognose handelt und es deshalb keine Gewissheit gibt. Die Wahrscheinlichkeit erhöht sich, wenn wir es mit einem Bewerber zu tun haben, der bereits in ähnlicher Funktion erfolgreich gearbeitet hat. Aber sicher können wir nicht sein, weil es zu viele unbekannte Faktoren gibt. Tests helfen wenig. Wer eine hohe Intelligenz besitzt kann von seiner Begabung und Neigung Manager, Bischof oder Hochschullehrer werden. Besitzt dieser Bewerber eine kriminelle Energie, könnte er auch Mafia-Boss oder Top-Terrorist werden.

Personalauswahl: Eine reine Bauchentscheidung?

Sollen wir uns bei der Personalauswahl ganz von der Ratio verabschieden und der Logik ade sagen? Nein. Wir sollten das Auswahlverfahren optimieren, aber nicht die Entscheidung. Das Einstellungsinterview sollte gut vorbereitet werden, strukturiert sein und die Fragen von den Anforderungskriterien abgeleitet werden. Die letzte Instanz bei der Einstellungsentscheidung sollte allerdings der Bauch sein.
Aber ist das alles noch gerecht? Auch die Natur ist nicht gerecht. Es gibt Privilegien, die die Natur hervorbringt. Ludwig Marcuse schreibt (Philosophie des Unglücks, 1981):

Weniger hat man bedacht, dass die Natur, nicht weniger blind als die Gesellschaft, Privilegien produziert. Sie sind natürlicher, nicht menschlicher; das hat der große Rousseau übersehen. Schönheit, Stimme, Vitalität, Gesundheit sind ererbt, wenn auch auf anderem Wege als ein Name und ein Konto und schaffen dieselben Oben und Unten. Natürliche Privilegien schaffen nicht mehr "Recht" als gesellschaftliche. Man kann die Ungerechtigkeit aus der Welt schaffen, wenn man die natürlichen Privilegien nicht honoriert. Gerecht ist, dass kein ererbter Rang prämiert wird."

Literatur

Gigerenzer, Gerd: Bauchentscheidungen – Die Intelligenz des Unbewussten und die Macht der Intuition, München 2007

List, Karl-Heinz: Personalentscheidungen - warum das Bauchgefühl ein guter Ratgeber sein kann, München 2008

List, Karl-Heinz: Praxisbuch Personalmanagement in der Pflege, Berlin 2010
 
Pöppel, Ernst: Zum Entscheiden geboren, München 2008

Traufetter, Gerald: Intuition – Die Weisheit der Gefühle, Reinbek 2007


Intuition und Personalauswahl
HRM.de - Das Netzwerk für Personalwesen. HR-Pedia - Der Wissenspool für das Human Resource Management. HR-Jobbörse