Intelligenz

Intelligenz (lat.: intelligentia = Einsicht, Erkenntnisvermögen) ist ein vielschichtiger Begriff in mehreren Fach- und Wissensgebieten (siehe unten). Allen Definitionen von Intelligenz ist gemeinsam, dass sie einen Bezug zu Verstehen, Denken und Begreifen haben, also in irgendeiner Weise mit Geist, Verstand und Funktionen des Gehirns in Zusammenhang stehen.

Wirkungsgemäß können wir kein Wesen als "intelligent" bezeichnen, ehe es nicht empfangene Informationen weitergeleitet hat.

Den Begriff Intelligenz gibt es fast in allen Sprachen europäischen Ursprungs in gleicher oder sehr ähnlich lautender Form. Hinter dieser äußerlichen Ähnlichkeit verbirgt sich jedoch eine außerordentliche Dynamik in der Anwendung des Begriffes.

Mehrere Arten von Intelligenz

Neben geistigen Fähigkeiten des [wiki:Begreifen], Denkens oder der [wiki:Klugheit] werden mit dem Wort "Intelligenz" auch andere Aspekte bezeichnet:

Kontrovers wurde und wird die Frage diskutiert, wodurch "die Intelligenz" bestimmt wird. Einige vertreten die Auffassung, dass ihr Ausmaß zu einem Großteil erblich bedingt ist. Andere meinen dazu, dass jede angeborene Begabung ohne Lernen, [wiki:Schule] und Ausbildung verkümmert (

Intelligenz als Begriff der Allgemeinen Psychologie

Der Begriff Intelligenz umfasst allgemein die geistigen Fähigkeiten des Menschen. Dazu gehören insbesondere Denkvermögen, [wiki:Auffassungsgabe], [wiki:Rationalität], Logik, Urteilsvermögen und [wiki:Kreativität].

Intelligenzforschung auf dem Gebiet der Allgemeinen Psychologie bezeichnet sich heute oft als [wiki:Kognitive Psychologie], die mit Bereichen der [wiki:Entwicklungspsychologie] und der Hirnforschung zusammenwirken kann.

Siehe auch [wiki:Psychologie].

Die Forschung zur menschlichen Intelligenz im Rahmen der neuronalen Gehirnforschung belegt eine äußerst komplexe Signalverarbeitung der Informationen beim Menschen. So werden zur Informationsverarbeitung zwar bestimmte neuronale Bereiche eindeutig lokalisiert (z.B. in den Bereichen Stammhirn, Kleinhirn und Großhirn), dennoch scheinen bestimmte Informationsverarbeitungsprozesse dezentral organisiert zu sein.

Künstliche Intelligenz

[wiki:Künstliche Intelligenz] (KI) bezeichnet demgegenüber die mechanisch-elektronische Nachbildung menschlicher Intelligenz innerhalb der [wiki:Informatik]. Die KI findet zunehmend Einsatz in der ingenieurwissenschaftlichen oder medizinischen Technik. Mögliche Anwendungsszenarien sind: Optimierungsprobleme (Reiseplanung, Schienenverkehr), Umgang mit natürlicher Sprache (automatisches Sprachverstehen, automatisches Übersetzen, Suchmaschinen im Internet), Umgang mit natürlichen Signalen (Computer Vision und Mustererkennung).

Intelligenz als Begriff der Differentiellen Psychologie

Intelligenz ist in der Bedeutung Verstand auch eine Eigenschaft, die quantitative Unterschiede einschließt. In dieser Verwendung in der Persönlichkeits- und Differentielle Psychologie ist Intelligenz eingebettet in die Persönlichkeit und ein Bestandteil der Persönlichkeitsunterschiede zwischen verschiedenen Individuen. Man spricht von höherer Intelligenz, rascher Auffassungsgabe oder Klugheit. Diese Verwendung schließt auch Tiere mit ein. Man spricht sowohl von klugen Hunden als auch von der Intelligenz von Pferden und Affen.

Als Fachbegriff der Psychometrie wurde "intelligence - Intelligenz" in der Zeit um 1900 geprägt, wobei der inhaltliche Impuls aus dem englischen Sprachraum kam. Der Begriff überschneidet sich in seiner Bedeutung mit Begriffen wie Begabung, Talent und [wiki:Lernfähigkeit], wobei in der Regel unterschiedliche Begabung und unterschiedliche Lernfähigkeit gemeint werden und die allen Menschen gemeinsame Lernfähigkeit stillschweigend vorausgesetzt wird (also die Intelligenz, die einen Menschen von einem Schimpansen unterscheidet).

Intelligenzquotient bzw. IQ

Für die Messung der psychometrischen Intelligenz ([wiki:IQ]) waren die Forschung des Franzosen [wiki:Alfred Binet], der zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts gemeinsam mit [wiki:Theodore Simon] im Auftrag der französischen [wiki:Regierung] ein [wiki:Testverfahren] zur Auswahl von schwachsinnigen Vorschulkindern entwickelte, von bahnbrechender Bedeutung. In diesem ersten [wiki:Intelligenztest] werden viele kleine Aufgaben gestellt. Da Binet feststellte, dass ältere Kinder anspruchsvollere Aufgaben lösten als jüngere Kinder und auch schneller und damit eine höhere Punktzahl erreichten, wurde daraus in den folgenden Jahren der [wiki:Intelligenzquotient], abgekürzt [wiki:IQ], als Maß der Intelligenz entwickelt, anfangs bezogen auf das Lebensalter, später auf den Mittelwert der Gesamtbevölkerung.

Binet hat seine Arbeiten kritisch gesehen und sah in seinem Punktesystem nicht die Messung einer abstrakten Intelligenz, sondern nur eine Hilfestellung bei einer Einstufung von Schülern. [wiki:Charles Spearman] und andere haben jedoch auf seinen Arbeiten aufgebaut und die Theorie eines [wiki:Allgemeinen Faktors der Intelligenz] entwickelt.

Die Anzahl der richtigen Aufgaben sowie die Bearbeitungsgeschwindigkeit und der Vergleich mit Gleichaltrigen wurde somit zur empirischen Grundlage des frühen Intelligenzbegriffes, welcher "Intelligenz" am IQ festmacht und nach wie vor bei wissenschaftlich validierten Intelligenztests (z.B. dem [wiki:CFT3-Grundintelligenztest] von Cattell/Weiss) bei erwachsenen [wiki:Proband] und Kindern Anwendung findet. Eine Weiterentwicklung brachte die [wiki:Informationspsychologie], die den IQ durch das Konzept des [wiki:Arbeitsspeicher] ersetzt, der ein physikalisches Maß der Intelligenz bzw. der [wiki:Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit] darstellt, nämlich die verarbeiteten Bit pro Zeiteinheit.

Der "Normal-IQ" liegt bei 100 mit einer [wiki:Streuung] zwischen 85-115 (bei in Deutschland üblichen Intelligenztests mit einer Standardabweichung von 15). Nur ca. 2,2% der Bevölkerung haben einen IQ über 130 ([wiki:Hochbegabung]) oder unter 85. Da die Zuverlässigkeit der Testergebnisse mit zunehmender Abweichung vom statistischen Mittel sinkt, hat der IQ außerhalb der Grenzen zwischen 55 und 145 praktisch keine Bedeutung mehr.
Von dieser Unsicherheit sind jedoch nur 0,26% der [wiki:Bevölkerung] betroffen.
Eine weitere Fehlerquelle ist die mit zunehmenden [wiki:Lebensalter] geringer werdende Vergleichbarkeit von "Normalintelligenz". Der klassische Intelligenzbegriff wird in den letzten Jahren von [wiki:Mehrdimensional] Intelligenzmodellen angegriffen, die nicht-kognitive [wiki:Persönlichkeit]-[wiki:Eigenschaft] einbeziehen.

Die Problematik der [wiki:IQ-Test] liegt auch darin, dass vorwiegend die Geschwindigkeit bei der Lösung relativ leichter Tests gemessen wird. In der Realität ist jedoch Intelligenz vor allem als Fähigkeit zur Lösung [wiki:Nichttrivial] [wiki:Problem] interessant. Jeder, der Testaufgaben trainiert, kann seinen IQ deutlich steigern. Auch die Motivation bei den Tests wirkt sich stark aus.

[wiki:Stephen Jay Gould] hat sowohl den "einen" IQ, als auch Intelligenz aus verschiedenen, voneinander relativ unabhängigen Faktoren ([wiki:Primary mental abilities]) zusammengesetzt, als wissenschaftlich fragwürdig und als ein untaugliches Konzept kritisiert.

Klassische Intelligenztests messen im Wesentlichen [wiki:Logisch]-analytische Fähigkeiten und erlauben damit beispielsweise kein [wiki:Urteil] über den nicht-rationalen Umgang mit den Mitmenschen ([wiki:EQ]).

Siehe auch: [wiki:Mensa (Verein)]

Emotionale Intelligenz und EQ

Nicht analog dem IQ-System (auf Mittelwert 100 und [wiki:Standardabweichung] 15 skaliert), aber durchaus beschreibend lassen sich auch persönliche und [wiki:Emotional] Faktoren in zielgerichteten und erfolgreichen Handlungskonzepten erkennen. Während bei planvollem Handeln in Gruppen der IQ sicher auch eine Rolle spielt, sind die [wiki:Wahrnehmung] bzw. Kontrolle von [wiki:Emotion] in gefährlichen Situationen und andere Persönlichkeitseigenschaften des [wiki:EQ] eher eine unabhängige Variable der [wiki:Ganzheitlich] Persönlichkeitsentwicklung. Besonders große Unterschiede zwischen den Menschen zeigen sich im [wiki:Umgang] mit den eigenen [wiki:Gefühl]; er hängt u.a. von der Prägung durch die Herkunfts-[wiki:Familie] und dem [wiki:Selbstwert] ab, ändert sich aber auch durch spätere [wiki:Erfahrung] oder Seminare etc.

Im europäischen Kulturkreis besitzt (analytische) Intelligenz ([wiki:IQ]) einen hohen gesellschaftlichen [wiki:Stellenwert] und wird nach vielfacher Meinung gegenüber [wiki:Kreativ] und [wiki:Sozial] Begabungen ([wiki:EQ]) bisweilen überbewertet. Zur Zeit ist aber ein Umkehren des [wiki:Pendel] zu beobachten, da immer mehr sog. reine soft skills als Schlüsselqualifikationen bezeichnet werden.
Die Diskussion, was wichtiger für individuellen [wiki:Erfolg] oder auch für fruchtbare Beiträge zur [wiki:Volkswirtschaft] oder der allgemeinen gesellschaftlichen Entwicklung ist - die "emotionale Intelligenz" oder die eigentliche (kognitive Faktoren beschreibende) Intelligenz - ist überflüssig. Denn jeder ausschließlich analytisch Hochintelligente wird ohne eigene soziale [wiki:Kompetenz] oder ein förderndes Netzwerk trotz seiner (theoretischen) Leistungsfähigkeit isoliert bleiben. Und ein rein auf Basis sozialer Fertigkeiten agierender "[wiki:Instinkt]" kann ohne eigenen Leistungs- oder Sachbeitrag auch kaum langfristig erfolgreich sein, zumindest nicht in "Leistungsgesellschaften".

Erfolgsintelligenz

Die Theorie der [wiki:Erfolgsintelligenz] behauptet, das Zusammenwirken einer von den Verfechtern dieser Dichotomie postulierten zweigeteilten rationalen und emotionalen Intelligenz zu beschreiben.

Die psychologische Forschung (siehe insb. Hunter und Schmidt) zeigt aber, dass der stärkste einzelne Prädiktor für Erfolg im [wiki:Beruf] die allgemeine Intelligenz ist, auch als G-Faktor bezeichnet (General Intelligence). Auch die Forschung zu Lebenserfolg bzw. Lebensleistung zeigt einen [wiki:Zusammenhang] zwischen erfülltem [wiki:Leben], Lebensleistung und klassischen Intelligenzmaßen. Die neue Strömung, soziale Kompetenzen, emotionale Stabilität, Extraversion, Anpassungsfähigkeit und andere persönlichkeitsbezogene Eigenschaften als Emotionale Intelligenz zusammenzufassen und zu benennen, kann zweifach gedeutet werden:
Als überflüssige Verwischung der Grenzen zwischen Intelligenz als in sich zusammenhängendem Konstrukt und davon bisher abgegrenzten Persönlichkeitsvariablen,
oder als nützlicher Hinweis, dass Intelligenz (im herkömmlichen [wiki:Sprachgebrauch]) natürlich nicht alles ist. Die Überfrachtung des Intelligenzbegriffs muss für seine weitere Erforschung und Beschreibung nicht hilfreich sein, da ja die Intelligenz im Ursprungssinn noch nicht hinreichend beschrieben ist, und der eigentliche Denkprozess noch weitere Forschung erfordert.

Die [wiki:Entwicklungspsychologie] zeigt, dass sich kognitive Fähigkeiten und soziale Fertigkeiten nicht immer parallel entwickeln und beide gefördert werden müssen. Tatsächlich können sich Probleme bei einseitiger Förderung von Kindern mit überdurchschnittlicher [wiki:Auffassung] (Thinking Speed) ergeben. Im regulären Lehrbetrieb häufig kognitiv unterfordert, kann ein solches Kind mit dem Überspringen einer oder mehrerer Klassen auch einer sozialen [wiki:Überforderung] ausgesetzt werden. Schulpsychologen können bei einer solchen Entscheidung wichtige Hinweise und Unterstützung geben.

Intelligenz als Begriff der Soziologie

Intelligenz als Bezeichnung für die Gesamtheit aller [wiki:Gebildete] wurde erstmals 1844 im Polnischen von K. Libelt gebraucht, 1846 im Russischen von W. G. Bielinski, im Deutschen später von u. a. [wiki:Karl Kautsky], [wiki:Karl Marx], [wiki:Hugo Ball] (Kritik der deutschen Intelliganz), [wiki:Adolf Hitler]. Die Intelligenz als soziale Schicht war bis 1990 fester Bestandteil eines kommunistisch geprägten Gesellschaftsverständnisses. In der [wiki:DDR] verstand man unter "Intelligenz" die Gesamtheit aller Personen mit einem [wiki:Hochschulabschluss] oder [wiki:Fachschulabschluss]. Im westlichen Deutschland, wo der Begriff auch weite Verbreitung erlangte, konkurriert "Intelligenz" auch heute noch mit dem älteren Begriff [wiki:Intellektuelle] bzw. mit [wiki:Akademiker] oder erscheint gar als soziologischer Fachbegriff in der slawischen Form [wiki:Intelligentsia].

Die Ausweitung der höheren Bildung hebt formal eine wachsende Zahl von Menschen auf den Bildungsstand der Intelligenz. Von machen wird dies mit dem Begriff [wiki:Bildungsinflation] bezeichnet.

Intelligenz als Austausch von Nachrichten und Informationen

Die [wiki:Geheimdienst] der deutschen Kleinstaaten des 18. Jahrhundert bezeichneten sich als "Intelligenzwesen", und mehrere Zeitungen in der Zeit der [wiki:Aufklärung] bezeichneten sich als Intelligenzblätter. Im 19. Jahrhundert ging diese Bedeutung des Begriffes "Intelligenz" als Austausch von Nachrichten und Informationen im deutschen Sprachraum wieder verloren, hat sich jedoch im englischen Sprachraum als Bezeichnung für den Geheimdienst erhalten (siehe im Englischen CIA; Intelligence Service).

Zitate

Literatur

Weblinks

[wiki:Da:Intelligent] [wiki:En:Intelligence (trait)] [wiki:Es:Inteligencia (rasgo)] [wiki:Pl:Inteligencja] [wiki:Zh:智力]



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