Im Arbeitszeugnis wird die Leistung und das Arbeitsverhalten beurteilt. Bei der Beurteilung der Leistung bei Führungskräften zählt das Führungsverhalten zur Leistung, daher auch der Terminus "Führungsleistung". Fehlt im Arbeitszeugnis einer Führungskraft eine Aussage darüber, ist das Zeugnis nicht vollständig. Der Zeugnisempfänger kann eine Berichtigung verlangen.
Führung heute
Zunächst müssen wir die Frage beantworten. Was bedeutet Führung heute in einem gewinnorientierten Unternehmen? Die Bereitschaft, sich unterzuordnen hat seit dem Bau der Pyramiden stark nachgelassen. Wann sind Mitarbeiter bereit mitzumachen, sich zu engagieren und für die Ziele des Unternehmens einzusetzen? Leider lässt sich diese Frage nicht einfach beantworten, weil die Interessen und Bedürfnisse der Mitarbeiter unterschiedlich sind. Eine gute Voraussetzung bietet eine Aufgabe, bei der die Mitarbeiter ihre Stärken einsetzen, Verantwortung übernehmen und selbstständig arbeiten können. Natürlich spielen auch andere Dinge eine Rolle, wie etwa das Arbeitsklima oder die Beziehung des Chefs zu seinen Mitarbeitern.
Jede Arbeitsbeziehung ist ein Abhängigkeitsverhältnis. Nach dem Arbeitsvertrag ist der Mitarbeiter verpflichtet, eine Arbeitsleistung von durchschnittlicher Art und Güte zu erbringen. Doch damit können sich Führungskräfte nicht begnügen. Sie brauchen Mitarbeiter, die aus freien Stücken dazu bereit sind mitzumachen. Wann tun sie das freiwillig? Wenn man sie machen lässt, ihnen Freiräume gibt eigene Ideen einzubringen, Neues auszuprobieren, Risiken einzugehen und Fehler als Lernerfahrung betrachtet. Auf der anderen Seite erwarten die Führungskräfte von ihren Mitarbeitern, dass sie sich ins Team einfügen, mit den anderen zurecht kommen und gut zusammenarbeiten. Dazu ist ein gewisses Maß an Anpassung notwendig, was Individualisten nicht immer leicht fällt. Man muss nicht gleich die totale Anpassung fordern, wie sie der Filmemacher Woody Allen mit seiner Figur Zelig dargestellt hat. Zelig, der totale Opportunist, nimmt die Gestalt der Menschen an, mit denen er es gerade zu tun hat. Unter fetten Männern wird er dick, unter Franzosen spricht er französisch und unter Schwarzen nahm Zelig eine schwarze Hautfarbe an. Er wurde immer so wie die anderen. „Warum tun Sie das?“, fragte ihn eine Psychiaterin. Zelig antwortete: „Da fühlt man sich sicher.“
Führungskräfte werden nur dann Erfolg haben, wenn die Mitarbeiter mitziehen und dabei helfen, die Ziele zu erreichen.
Kommunikation
Menschen für sich zu gewinnen, geschieht hauptsächlich durch Miteinander reden, also begeistern, beeindrucken, überreden, durch Worte eben, durch Kommunikation. Das Miteinander reden geschieht in organisierter Form (Mitarbeitergespräche) und eher beiläufig zwischen Tür und Angel oder informell in der Kantine oder bei Betriebsfeiern. Durch diese Kommunikation entsteht eine Arbeitsbeziehung auf der menschlichen Ebene, die für eine gute Zusammenarbeit notwendig ist. Befriedigende zwischenmenschliche Beziehungen führen auch zu einem entspannten Arbeitsklima und einem Grad der Offenheit, wie es für die Lösung von Konflikten sehr förderlich ist. Mindestens einmal am Tag mit seinen Mitarbeitern zu reden, sollte für einen Chef selbstverständlich sein.
Beurteilung im Arbeitszeugnis
Zur Führungsleistung zählen Managementfähigkeiten (planen, organisieren, entscheiden), kommunikative Fähigkeiten (Mitarbeitergespräche führen, Konflikte lösen), Empathie, Begeisterungsfähigkeit, sprachliches Ausdrucksvermögen, Vertrauen gewinnen. Schließlich muss man bei Führungskräften die Frage stellen: Was war sein / ihr Beitrag zum Ganzen?
Beispiele
- Bei Auswahl und Einsatz seiner Mitarbeiter beweist Herr Rogler ein sicheres Gespür und eine glückliche Hand.
- Er gibt seinem Team Impulse und treibt Veränderungen voran. Dabei gelingt es ihm, Ängste abzubauen, Vertrauen zu gewinnen und Zuversicht zu verbreiten.
- Frau Kremer vereinbart Ziele und Leistungsstandards und kontrolliert die Ergebnisse. Sie fördert die Entwicklung ihrer Mitarbeiter, ermuntert sie neue Aufgaben zu übernehmen und sich weiter zu bilden.
- Sie hat gute Beziehungen zu ihren Mitarbeitern; das Arbeitsklima ist entspannt. Die Mitarbeiter vertrauen ihr.
- (Verkaufsleiter) Er hat es geschafft, in kurzer Zeit ein gut funktionierendes Außendienst-Team aufzubauen. Er unterstützt seine Mitarbeiter und begeistert sie für die gemeinsame Sache und erreicht seine ehrgeizigen Ziele….
- (Account Manager) Herr Müller hat gute Managementfähigkeiten. Er plant und organisiert seine Arbeit systematisch, und führt die virtuellen Teams effektiv. Er versteht es ganz besonders, technische Lösungen zu optimieren und mit der Wirtschaftlichkeit in Einklang zu bringen.
- (Leiterin Controlling) Ein wesentlicher Beitrag zum positiven Gesamtergebnis des Unternehmens besteht vor allem darin, dass sich ein Kostenbewusstsein im Ganzen Unternehmen entwickelt hat. Durch ständige Soll-Ist-Vergleiche in allen Bereichen konnten die Kosten transparent gemacht und gesenkt werden.
Literatur
- Drucker, Peter: Was ist Management? Düsseldorf 2002
- List, Karl-Heinz: Praxisbuch Personalmanagement in der Pflege, Berlin 2010, ISBN 9783941468214
- List, Karl-Heinz: Das zeitgemäße Arbeitszeugnis, Nürnberg 2009 (4. Auflage)