Ursprünglich bezeichnet der Begriff eine Kompromissformel in der Arbeitsmarktpolitik: Während die Arbeitgeber mit dem Schlagwort "Flexibilisierung" den Kündigungsschutz lockern wollten, waren die Arbeitnehmer vor allem daran interessiert, ihre Beschäftigung aufrechtzuerhalten. Diese Polarisierung hat sich in der Realität jedoch abgeschwächt, da Arbeitnehmer auch von flexiblen Arbeitszeiten profitieren - beispielsweise wenn es um ihre Work Life Balance geht.
Flexicurity-Grundsätze
Flexicurity-Strategien wenden inzwischen einige europäische Länder wie Finnland, die Niederlande oder Österreich an. Der Versuch, die Debatte und die Umsetzung in Europa zu vereinheitlichen, erhielt unter der Ratspräsidentschaft Österreichs im Jahr 2006 Auftrieb. Im Dezember 2007 verabschiedete der Europäische Rat gemeinsame Flexicurity-Grundsätze.
Demnach ist Flexicurity eine politische Strategie zur gleichzeitigen und absichtlichen Erhöhung der Flexibilität der Arbeitsmärkte, Arbeitsorganisationen und Arbeitnehmer-Arbeitgeber-Beziehungen einerseits und der Beschäftigungs- und Einkommenssicherheit andererseits. Mit diesem Konzept bewegt sich der Europäische Rat weg vom bisherigen Denken in Dimensionen der Arbeitsplatzsicherheit hin zu einer Dimension der Beschäftigungssicherheit. Arbeitnehmer sollen in die Lage versetzt werden, sich den ständigen Veränderungen anzupassen, auf dem aktiven Arbeitsmarkt zu bleiben und in ihrem Arbeitsleben voranzukommen. Um das zu erreichen, soll in aktiven Arbeitsmarktstrategien lebenslanges Lernen, eine individualisierte Betreuung der Arbeitssuchenden sowie die Chancengleichheit für alle und die Gleichbehandlung von Männern und Frauen gefördert werden.
Am 1. Februar 2008 hat die Europäische Kommision die „Mission for Flexicurity“ gegründet, um das Prinzip in den Mitgliedsstaaten zu etablieren. Geplant ist der Besuch in 4 bis 5 Ländern der EU, um gegenseitig voneinander zu lernen.
Geschichte
Der Grundgedanke von Flexicurity kommt aus Dänemark. In den 1990er Jahren stellten dänische Ökonomen aufgrund des Wertverfalls der Dänischen Krone und der hohen Arbeitslosigkeit den traditionellen Sozialstaat mit der 1994 erschienen „active labour market policy“ in Frage. Diese Grundsatzerklärung verfolgt das Ziel, die Arbeitslosigkeit zu reduzieren. Die darin geforderte Flexibilisierung der Arbeitsbedingungen verknüpfte die dänische Regierung in den darauffolgenden Jahren mit einer großzügigen sozialen Absicherung.
Dänemark hat heute die höchste Beschäftigungsquote innerhalb der EU. Der Anteil der beschäftigten Frauen und Jugendlichen sowie der Bildungsetat sind überdurchschnittlich hoch. Das „dänische Wunder“ geht mit einer hohen Mobilität der Arbeitnehmer, aber auch mit einfachen Einstellungsbedingungen einher. Die Arbeitssuchenden müssen zwar einem individuellen Aktionsplan Folge leisten, der ihnen bestimmte Weiterbildungen vorschreibt. Doch durch ständige Job-Rotation können sie zumeist schnell Stellen von Personen annehmen, die längere Zeit frei nehmen oder sich in Fortbildung befinden. Angesichts des demographischen Wandels muss jedoch auch Dänemark nachjustieren. Neben längeren Arbeitszeiten ist gleichzeitig die Rede davon, das Berufseinstiegsalter herabzusetzen.
Der Weg nach Europa
Mit der Europäischen Sozialagenda, die der Europäische Rat im Dezember 2000 annahm, hält der Begriff Einzug in ein neues europäisches Sozialmodells: Flexicurity wird wesentlicher Bestandteil der Lissabon-Strategie. Diese geht auf einen Sondergipfel der europäischen Staats- und Regierungschefs im März 2000 in Lissabon zurück. Das dort verabschiedete Programm verfolgt das Ziel, die EU innerhalb von zehn Jahren, also bis 2010, zum wettbewerbsfähigsten und dynamischsten wissensgestützten Wirtschaftsraum der Welt zu machen.
Flexicurity korrespondiert mit zentralen Elementen der Lissabon-Strategie:
- Offensive Reaktion auf die Herausforderung der Globalisierung
- Vermeidung strukturkonservativer oder den internationalen Wettbewerb abschottender Maßnahmen
- Eine Grundvoraussetzung besteht in einem hohen Ausbildungsstand des Arbeitskräftepotenzials
- Förderung von Selbständigkeit und Unternehmertum
Literatur
- Martin Kronauer, Gudrun Linne (Hrsg.): Flexicurity. Die Suche nach Sicherheit in der Flexibilität. Berlin Edition Sigma 2005, ISBN 3-89404-996-0, 423 Seiten
- Wilthagen, Ton (1998): Flexicurity: A New Paradigm for Labour Market Policy Reform? Discussion Paper, Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB).
Linkstipps
- [url:http://register.consilium.europa.eu/pdf/en/07/st16/st16201.en07.pdf|http://register.consilium.europa.eu/pdf/en/07/st16/st16201.en07.pdf]
- [url:http://ec.europa.eu/employment_social/employment_strategy/flex_meaning_de.htm|Website der “Mission for Flexicurity”]
- [url:http://www.tilburguniversity.nl/faculties/law/research/flexicurity/|Flexicurity Research Team]
- [url:http://flexicurity.blogspot.com/|European Foundation Flexicurity Blog]
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