Duale Berufsausbildung

Mit dualer Ausbildung bezeichnet man verkürzt das Duale Berufsausbildungssystem in Deutschland. Hierunter versteht man die parallele Ausbildung in [wiki:Betrieb] und [wiki:Berufsschule]. Voraussetzung für eine Ausbildung im dualen System ist ein [wiki:Berufsausbildungsvertrag] mit einem Betrieb. Die folglich zu besuchende Berufsschule ist abhängig vom Ort des Betriebes. Der praktische Teil der Ausbildung wird den Auszubildenden in den Betrieben vermittelt, den theoretischen Teil übernimmt die [wiki:Berufsschule].

Betriebliche Ausbildung

Grundlage für die betriebliche Ausbildung ist die jeweilige [wiki:Ausbildungsordnung] des Berufes ([wiki:Liste von Berufen]). Die Ausbildung in den Betrieben findet an drei bis vier Tagen pro Woche statt. Sie wird oft ergänzt durch die [wiki:Überbetriebliche Ausbildung], die in eigenen Werkstätten der [wiki:Innung] und [wiki:Kammer] stattfindet. Diese überbetrieblichen Lehrgänge sollen die Ausbildungsdefizite, die durch die Spezialisierung vieler Betriebe entstanden sind, ausgleichen. Die Dauer solcher Lehrgänge kann drei bis vier Wochen pro Jahr betragen.

Schulische Ausbildung

Die Ausbildung in der Berufsschule unterliegt den Schulaufsichtsbehörden der Bundesländer und den jeweils geltenden Lehrplänen, die wiederum auf dem bundeseinheitlichen [wiki:Rahmenlehrplan] basieren. Der Besuch der Berufsschule umfasst in der Regel zwölf Unterrichtsstunden pro Woche, was zwei Schultagen entspräche. Da jedoch im allgemeinen nicht der volle Unterricht erteilt werden kann, beschränkt sich der Unterricht oft auf acht Stunden, die an einem Tag unterrichtet werden. Die Ausbildung in der [wiki:Berufsschule] umfasst einen fachtheoretischen und einen allgemeinen Teil. Zum allgemeinen Teil gehören in allen Berufen die Fächer Deutsch, Politik, Wirtschaftslehre, Religion und Sport.

Der Berufsschulunterricht wird entweder in Teilzeitform (wöchentlich ein oder zwei Tage) oder in Blockform (zusammengefasst zu mehreren Wochen 'am Stück') organisiert. Berufe mit nur wenigen Ausbildungsverhältnissen (so genannte [wiki:Splitterberufe]) werden in [wiki:Landesfachklasse] oder [wiki:Bundesfachklasse] zusammengefasst.

Prüfungen

Während der Berufsausbildung ist eine [wiki:Zwischenprüfung] abzulegen, die den Erfolg der bisherigen Ausbildung aufzeigen soll. Am Ende der Ausbildung steht die [wiki:Abschlussprüfung], in der die zu Prüfenden ihre berufliche Handlungskompetenz nachweisen müssen. Im Handwerk heißt die Abschlussprüfung traditionell [wiki:Gesellenprüfung]. Die Prüfungen sind von den [wiki:Zuständige Stelle], in der gewerblichen Wirtschaft z.B. von den [wiki:Handwerkskammer] und [wiki:Industrie- und Handelskammer], zu organisieren. Abgenommen werden sie von den von den Kammern eingesetzten ('berufenen') [wiki:Prüfungsausschuss].

Probleme der dualen Ausbildung

Obwohl das duale Berufsausbildungssystem weltweit als vorbildlich gilt, finden immer mehr Jugendliche nur in reinen Ausbildungsbetrieben oder schulischen Ausbildungsgängen einen Berufsabschluss. Der mangelnde Praxisbezug solcher Ausbildungsgänge ist offensichtlich. Ursache hierfür ist die nachlassende Ausbildungsbereitschaft der Betriebe, die mehrere Ursachen hat. Die [wiki:Bundesregierung (Deutschland)] will hier mit einer [wiki:Ausbildungsplatzabgabe] die Betriebe zur verstärkten Ausbildung zwingen. Die Ausbildungsplatzabgabe durch den freiwilligen Ausbildungspakt der Wirtschaftsverbände vorerst ausgesetzt. Die verschiedenen Kammer und andere Einrichtungen sind mit der Lehrstellenwerbung befasst. Der Mangel an Ausbildungsplätzen ist regional sehr unterschiedlich, so dass viele offene Stellen nicht besetzt werden können, weil zuwenig geeignete junge Leute vor Ort sind. Signifikant ist das Missverhältnis zwischen kaufmännischer Eignung und dem Berufswunsch nach einer Bürotätigkeit.

Problemfelder der dualen Ausbildung II

Die Defizite des dualen Ausbildungssystems und des zu geringen Angebotes von betrieblichen Ausbildungsplätzen resultieren im Wesentlichen aus fünf Problemfeldern:

1. zu umfangreiche formale Anforderungen an die Berufsausbildung

2. zu hohe Kosten der Ausbildung selbst, wobei regelmäßig die kalkulatorischen Anteile für die Betreuung im Betrieb unberücksichtigt bleiben,

3. die mangelnde Berufsfähigkeit vieler Schulabgänger aufgrund ihres zu niedrigen Bildungsniveaus,

4. die hohe Spezialisierung der Betriebe, die eine breit angelegte Ausbildung (wie sie in den Ausbildungsrahmenplänen gefordert wird) unmöglich macht und

5. die sinkende Bereitschaft von Unternehmen, in eine nachhaltige Ausbildung – also in das Lernen für lebenslange Beschäftigung - investieren zu wollen, da die [wiki:Halbwertzeit] des Wissens rapide abnimmt. Vielfach wird die Ausbildung an sich nicht mehr als langfristige Investition in betriebliches [wiki:Humankapital] angesehen.

Je nach Berufsbild und [wiki:Branche] wirken sich diese Problemfelder im einzelnen unterschiedlich stark aus. Das Ergebnis ist aber das Gleiche: Viele Betriebe sind nicht mehr in der Lage oder willens, ein Berufsbild in seiner ganzen Breite auszubilden. Erschwert wird die Ausbildung zudem durch weitere Hindernisse wie ein stark reglementiertes Arbeitsrecht sowie eine oft unzureichende Ausstattung der Schulen mit qualifizierten Lehrkräften und zeitgemäßer Technik.

Lösungsansätze

In der jüngeren Vergangenheit ist in Deutschland schon mehrfach versucht worden, die genannten Defizite durch Veränderungen am dualen System zu überwinden. Jedoch konnte bisher kein Ansatz nachhaltig überzeugen. Diskutiert werden insbesondere die „Auftragsausbildung“ und die „verstaatlichten Ausbildungsgänge“.

Bei der Auftragsausbildung stellen große Konzerne ihre Kapazitäten wie zum Beispiel ihre Lehrwerkstätten (zur Ausbildung von industriellen Metallberufsbildern) zur Verfügung und bilden über ihren Eigenbedarf hinaus aus. Allerdings ist die Übernahme der Auszubildenden in ein festes Arbeitsverhältnis nicht gesichert. Damit ist diese Variante nur sehr bedingt geeignet, die Schwächen des dualen Systems im Ergebnis zu reduzieren.

Bei den verstaatlichten Ausbildungsgängen (den sogenannten „Assistenten“-Berufen) werden Jugendliche in Oberstufenkollegs und in Schulen freier Trägerschaft am dualen System „vorbei“ qualifiziert. Diese Ausbildungsgänge bieten neben theoretischem Unterricht auch betriebliche Praktika an. Allerdings kommt hier die betriebliche Praxis oft zu kurz. So wird der Übergang der [wiki:Absolventen] ins Arbeitsleben erschwert.

Das triale Ausbildungssystem als praktikabler Lösungsansatz

Einen gänzlich neuen Weg geht man beim trialen Ausbildungssystem. Das triale System basiert auf der Idee eines überbetrieblichen Ausbildungsnetzwerks. Vor allem im Bereich der industriellen Metallberufsbilder (Industriemechaniker, Werkzeugmechaniker, Mechatroniker u.a.) stellt die dritte Säule in der Ausbildung eine innovative Möglichkeit dar, dem dualen System eine sinnvolle (Dienstleistungs-) Ergänzung zu geben. Betriebe können so effizienter, qualitativ hochwertiger und kostengünstiger ausbilden als bei der ausschließlichen Nutzung betriebsinterner Ressourcen, indem sie zum Beispiel im Bereich der industriellen Metallberufsbilder bestimmte Ausbildungsbestandteile in einem überbetrieblichen Trainingszentrum ausbilden. Erste Praxiserfahrungen zeigen, dass das triale System von den beteiligten Unternehmen als eine an ihre individuellen Bedürfnisse angepasste Lösung bewertet wird.Die Netzwerkkonstruktion ermöglicht es den Betrieben, Dienstleistungen im Zusammenhang der Ausbildung betriebsübergreifend zu nutzen oder selbst anzubieten. Dazu gehört die Zentralisierung folgender Aufgaben:

Die Koordinierung und Organisation der Dienstleistungen „rund um die Ausbildung“ obliegt einem externen Dienstleister, der dem Netzwerk als Partner zur Verfügung steht. Dieser neutrale Agent stimmt die verschiedenen Beratungsleistungen aufeinander ab und analysiert fortwährend den Bedarf für neue Dienstleistungen. Im Ergebnis führt die Übernahme des zeit- und kapitalintensiven betrieblichen Personalbetreuungsaufwands durch das Netzwerk zu einer deutlichen Entlastung in den angeschlossenen Betrieben. Aufgrund der Mitbestimmungsregelungen der Netzwerkstruktur – in Form einer rechtsfähigen Körperschaft - haben die Betriebe zudem jederzeit die Möglichkeit, auf Umfang und Betreuungsintensität der Maßnahmen einzuwirken. Diese Mitbestimmungsstruktur ist auch ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal hinsichtlich einer Auftragsausbildung.

Mit Hilfe der trialen Ausbildung gibt es tendenziell mehr und bessere Ausbildung bei gleichzeitiger Entlastung der Betriebe im administrativen und betreuenden Sektor. Besonders solchen Betrieben, die bisher in besonders betreuungsintensiven Berufsbildern nicht ausgebildet haben, Betrieben, die aufgrund fehlender Ausbildungsausstattungen nicht ausbildeten, sowie Betrieben, denen betriebliche Ausbildung zu kostenintensiv war, werden durch das triale Ausbildungssystem Möglichkeiten geboten, qualitativ hochwertig und kosteneffizient auszubilden. Das triale Ausbildungssystem mit seiner dritten Säule beinhaltet somit die komplette Marktanpassung und damit eine Funktion, die dem dualen System fehlt und die auch durch die zahlreichen Reformansätze bisher offensichtlich nicht zu erreichen war.

Weblinks




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