Die Sprache in Stellenanzeigen

Unternehmen und Berater formulieren in der "Sprache des Erfolgs", wenn auch nicht immer sprachlich korrekt: Mit einfachen, aber qualifizierten Fachleuten gibt man sich nicht zufrieden. Das irritiert Bewerber, die sich bei so viel Exzellenz doch eher klein vorkommen. Mein Vorschlag: Klar formulieren, präzise informieren und weniger Selbstdarstellung

Der Position Bedeutung verleihen

Stellenanzeigen gleichen häufig Heiratsanzeigen. Unternehmen stellen sich in einem günstigen Licht dar und übertreiben bei der Beschreibung der Position, die sie anbieten. Personalberatern fällt es besonders leicht, dies im Namen ihres Auftraggebers zu übernehmen. Beispiel:

Unser Klient ist die deutsche Tochtergesellschaft eines weltweit erfolgreichen forschenden Pharmakonzerns und genießt dank der hochwertigen Produktpalette in anspruchsvollen Indikationsgebieten eine exzellente Reputation (.....)
Um unsere daraus resultierende stark wachsende Personalstruktur auch in Zukunft weiterhin qualifiziert betreuen zu können, suchen wir zum nächstmöglichen Zeitpunkt eine fachlich souveräne Persönlichkeit (m/w), die als Personalreferent ein breit gefächertes Aufgabenspektrum übernehmen in der Lage ist.

Was man so liest in Stellenanzeigen:

Kann eine Position ehrgeizig sein?

Eine interessante Wortschöpfung, ausgerechnet in einer Stellenanzeige, in der die Arbeit im Mittelpunkt steht.

Ich weiß nicht genau, was die Firma damit meint. Sollen die Bewerber aus der Textilbranche kommen?

Was ist ein temporeiches Team?

Keine Führungskraft ist in diesem Punkt von Selbstzweifeln geplagt.

Sprach-Kompetenz wäre so schlecht auch nicht.

"sich weiterentwickeln", das müssen die Kunden schon selbst tun.

Hoffentlich gibt es genügend Taucher, die den Schatz heben.

"Praxiserprobte Arbeitsrechtskenntnisse" gibt es noch nicht, nur Kenntnisse, die man erwerben und dann anwenden kann. Man kann nur spekulieren, was "kommunikatives Auftreten" sein könnte. Vielleicht der "sprechende Schuh"? Und jetzt noch die Preisfrage der Woche: Gibt es ein natürliches Talent zum aktiven Zuhören? Den ersten Preis hat jemand gewonnen mit dieser Antwort: Ich kenne einen Taubstummen, der hat dieses Talent.)

Ein Bewerber hat befürchtet, man verlangt ein Studium.

Die Mitarbeiter müssen sich schon selbst entwickeln.

Beispiel Stellenanzeige in einer überregionalen Tageszeitung:

Wir sind eine der führenden europäischen Personalberatungen mit starker internationaler Präsenz. In Deutschland verfügen wir über ein flächendeckendes Netz mit xx Büros. Durch Dienstleistungsorientierung, Präzision in der Projektabwicklung und hohe Innovationskraft genießen wir seit mehreren Jahrzehnten ein überdurchschnittliches Maß an Reputation und Vertrauen.

Als modernes Unternehmen beweisen wir auch in schwierigen Zeiten unsere unternehmerische und wirtschaftliche Weitsicht. Unser X-Büro, das spezialisiert ist auf die gezielte Direktansprache und anzeigengestützte Suche und Auswahl von Fach- und Führungskräften, sucht zur Verstärkung des Beraterteams eine/n erfahrene/n

Personalberater/in.

Unser/e neue/r Kollege/-in soll die Qualifikation mitbringen, eigenständig Personalsuch- und - auswahlprojekte sicher durchzuführen, den branchenübergreifenden Kundenkreis erfolgreich zu betreuen und mit eigenen Akquisitionsaktivitäten auszubauen. Wir erwarten ein abgeschlossenes Hochschulstudium, Vertriebsaffinität, Kontaktfreudigkeit, gute Menschenkenntnis und hohe persönliche Integrität. Gute englische Sprachkenntnisse sind ebenso erforderlich.

Wir wünschen uns eine Persönlichkeit mit natürlicher Ausstrahlung, gewissenhafter Arbeitsweise, Einsatzbereitschaft und Spaß am täglichen Miteinander.

Wir bieten Ihnen ein hohes Maß an Eigenständigkeit, ein erfolgreiches Team, das wegen zur Zeit hoher Arbeitsbelastung sich auf Unterstützung freut.

Zu einer vertraulichen Kontaktaufnahme und weiteren Informationen stehen Ihnen Frau ......., Tel. .... zur Verfügung. Wir bitten um Zusendung aussagekräftiger Bewerbungsunterlagen ………………


Mein Kommentar:

Berater und Unternehmen nutzen Stellenanzeigen zur Selbstdarstellung und nicht immer in bestem Deutsch:

Durch Dienstleistungsorientierung, Präzision in der Projektabwicklung und hohe Innovationskraft genießen wir seit mehreren Jahrzehnten im überdurchschnittlichen Maß an Reputation und Vertrauen.

Die Anzeige ist in einem Fachjargon geschrieben, der sehr verbreitet ist:


Mein Vorschlag:

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www.personalberatung.abc.com

Gehören Sie zu denen, die uns noch nicht kennen? Wir sind ein internationales Personalberatungs-Unternehmen. Schauen Sie doch einmal auf unsere Web-Seiten.

Heute suchen wir in eigener Sache für unser Büro in XYZ eine(n)

Personalberater(in)

Wir sind spezialisiert auf die Suche und Auswahl von Fach- und Führungskräften durch Direktansprache und Stellenanzeigen.

Sie betreuen unsere Kunden, holen Aufträge herein, werben neue Kunden, erstellen Anforderungsprofile, texten Stellenanzeigen, sichten Bewerbungsunterlagen, führen Interviews, schreiben Eignungsbeurteilungen und stellen unseren Auftraggebern geeignete Kandidaten vor.

Sie passen zu uns, wenn Sie ein Hochschulstudium erfolgreich beendet, Berufserfahrung haben, schnell Kontakt finden, sich klar und präzise ausdrücken können, eine verkäuferische Ader haben, Empathie besitzen und die englische Sprache so gut beherrschen, dass Sie ein Interview auch auf Englisch führen können.

Bitte schicken Sie uns Ihre Bewerbungsunterlagen. Wenn Sie weitere Informationen benötigen, rufen Sie bitte Frau xyz an.

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Literatur:

List, Karl-Heinz: Einfach gut formulieren - Kurz, klar und korrekt schreiben, für Chefs und Personaler, Nürnberg 2007. Leseprobe: http://www.bwverlag.de/seiten/seite280.php

List, Karl-Heinz : Praxisbuch Prsonalmanagement in der Pflege, Berlin 2010, ISBN 9783941468214



Die Sprache in Stellenanzeigen
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