Definition
Vor allem im angloamerikanischen Sprachgebrauch wird der Begriff häufig mit Corporate Responsibility, aber auch mit Corporate Citizenship gleichgesetzt. Auf europäischer Ebene geht das Verständnis von CSR darüber hinaus. Experten streiten sich zwar, was damit genau gemeint ist, aber offiziell gibt es nur eine Definition, die die Europäische Kommission in ihrem Grünbuch ausformulierte: „Konzept, das den Unternehmen als Grundlage dient, auf freiwilliger Basis soziale Belange und Umweltbelange in ihre Unternehmenstätigkeit und in die Wechselbeziehungen mit den Stakeholdern zu integrieren.“
Thomas Beschorner hat in seinem Buch “Corporate Social Responsibility, Corporate Citizenship, Corporate Governance“ die Definition um ökonomische Belange erweitert und den Aspekt der Freiwilligkeit stärker hervorgehoben: CSR umfasst demnach alle "sozialen, ökologischen und ökonomischen Beiträge eines Unternehmens zur freiwilligen Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung, die über die Einhaltung gesetzlicher Bestimmungen (Compliance) hinausgehen."
Ziele von CSR
Beim CSR ist insbesondere der Dialog mit den Stakeholdern wichtig, da sie diejenigen sind, auf die sich die unternehmerische Verantwortung beziehen muss. Zumeist betreiben Unternehmen CSR, weil sie sich wirtschaftliche Vorteile davon versprechen. Unternehmen, die mit gesellschaftlichem Engagement von sich Reden machen, haben ein gutes Image – bei Kunden, aber auch bei aktuellen und potenziellen Mitarbeitern.
Häufig haben die Unternehmen aber nur die kurzfristige Profitmaximierung im Blick. Wenn ihr CSR-Konzept allerdings Widersprüche zur gelebten Unternehmenskultur aufweist, gehen sie das Risiko ein, dass der positive PR-Effekt ins Gegenteil umschlägt.
Andererseits ist CSR für HR von großer Bedeutung. Durch ein positives Image erlangen Unternehmen auch im internationalen Wettbewerb einen Vorsprung im Wettbewerb um die besten Köpfe.
Geschichtlicher Hintergrund
Die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen ist kein neues Thema. Gerade in Deutschland hat sie eine ausgesprochen lange Tradition. Bereits während der Industrialisierung im 19. Jahrhundert gab es viele Unternehmerpersönlichkeiten, für die gesellschaftliches Engagement zur Selbstverständlichkeit gehörte. Sie traten als Mäzene und Stifter auf und kümmerten sich um die Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen ihrer Mitarbeiter. Die Wissenschaft beschäftigte sich seit den 1950er Jahren, zunächst in den USA, mit dem Thema. Eine der ersten Publikationen dazu war "Social Responsibilities of the Businessman" von Howard R. Bowen (1953). Er vertrat darin die Ansicht, dass sich soziale Verantwortung von Unternehmen an den gesellschaftlichen Erwartungen und Werten zu orientieren habe. Da die Unternehmen gesellschaftliche Rechte in Anspruch nähmen, hätten sie auch entsprechende Pflichten zu übernehmen. Ab den 1970er Jahren kam der Aspekt des Unternehmens als Akteur hinzu. Experten waren nun der Ansicht, dass die Unternehmen nicht nur auf Erwartungen der Gesellschaft reagieren, sondern ihr Engagement auch aktiv einbringen sollten. Ab den 1980er Jahren stärkte der aufkommende Shareholder-Value-Gedanke die "CSR-Bewegung" noch weiter.
In Europa hat sich die CSR-Diskussion dagegen erst später entwickelt. Dies lag zum einen an stärker ausgeprägten sozialen Sicherungssystemen, zum anderen aber auch in der traditionellen Verankerung des Verantwortungsbewusstseins in den europäischen Unternehmen. 2001 gab die Europäische Union das "Grünbuch Europäische Rahmenbedingungen für die soziale Verantwortung der Unternehmen" heraus, in dem diese sich erstmals mit dem Thema auseinandersetzte. 2002 wurde das "European Multi-Stakeholder-Forum on CSR" (EMS-Forum) gegründet.
Initiativen und internationale Regelungen
Immer wieder diskutieren Experten kontrovers, inwiefern Vereinheitlichung, Standards oder gesetzliche Rahmenbedingungen für mehr Transparenz und Vergleichbarkeit von CSR sinnvoll wären. Unternehmensverbände wie zum Beispiel der Bund der Deutschen Industrie (BDI) sprechen sich strikt dagegen aus und berufen sich auf den Freiwilligkeitscharakter von CSR. Umwelt- und soziale nichtstaatliche Organisationen (NGOs) halten gewisse Standards und gesetzliche Verpflichtungen zu Transparenz für notwendig, damit Konsumenten fortschrittliche Unternehmen auch als solche erkennen können und der Markt sie belohnt. Gesetzliche Vorgaben existieren bisher nicht, doch verschiedene Initiativen haben bereits versucht, Standards zu setzen.
Einige Beispiele:
- der Global Compact der Vereinten Nationen (Freiwillige Verpflichtungserklärung von Unternehmen, 10 grundlegende Prinzipien zu den Themen Menschenrechte, Arbeitsbedingungen, Umweltschutz und Korruption einzuhalten)
- die Leitsätze für multinationale Unternehmen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD)
- die Regelungen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO). Hier ist insbesondere die "Dreigliedrige Grundsatzerklärung über multinationale Unternehmen und Sozialpolitik" zu nennen, die insgesamt 59 Regeln zu Arbeitsbedingungen enthält, darunter die Kernarbeitsnormen der ILO.
- die Global Reporting Initiative (GRI), die Regeln für die Berichterstattung von CSR aufgestellt hat
Daneben bescheinigen Sozial- und Umweltgütesiegel den Konzernen die Einhaltung bestimmter Mindeststandards bezüglich ihres sozialen und/oder ökologischen Verhaltens. Zu den bekanntesten Siegeln zählen die Zertifizierung nach ISO 14001, die Validierung nach Eco Management and Audit Scheme (EMAS) und das europäische Umweltgütesiegel (Blauer Engel). Nachhaltigkeits-Indizes bewerten schließlich die Nachhaltigkeits-Aktivitäten von Unternehmen und schaffen so mittels des Social Responsible Investments einen Anreiz für die Unternehmen, ihre Geschäftstätigkeit nach nachhaltigen Gesichtspunkten auszurichten. Die wichtigsten Indizes sind die Dow Jones Sustanability Indexes und die FTSE4Good-Indizes.
Unternehmenspraxis
Angesichts der wachsenden Geldnot des Staates wird das Engagement von Unternehmen immer wichtiger. Die Gesellschaft erwartet deshalb von der Wirtschaft, dass sie mehr Verantwortung übernimmt. Vor dem Hintergrund des War for Talents und einem zunehmend kritischen Bewusstsein der Kunden gehen viele Unternehmen dieser Erwartung in Eigeninteresse nach. Sie stehen vor der Herausforderung, angemessene Konzepte zu entwickeln. Um eine gemeinsame Annäherung an das Thema CSR zu finden, haben sich einige Unternehmen zu Netzwerken zusammengeschlossen.
Einige Beispiel:
- Econsense
- Unternehmen: Aktiv im Gemeinwesen
- CSR Europe
- UN Global Compact
Im Rahmen von CSR-Konzepten fördern Unternehmen häufig durch Geldspenden soziale oder ökologische Projekte. Neben diesem öffentlichen Engagement betrifft CSR aber auch die Art, Geschäfte zu machen, und die Mitarbeiterführung. Ein verantwortungsvolles Unternehmen sollte sich zunächst durch vorbildliches Verhalten gegenüber der eigenen Belegschaft hervortun. Viele Firmen unterstützen auch das ehrenamtliche Engagement ihrer Mitarbeiter in Form von Wertschätzung, Infrastruktur, Geld-, Sach- oder Zeitspenden. Diese Form des CSR nennt sich „Corporate Volunteering“. Meist handelt es sich dabei um Einzelaktionen und weniger um langfristige Projekte. Corporate Volunteering kann jedoch für die Unternehmen den positiven Nebeneffekt haben, dass es die Mitarbeitermotivation stärkt. Außerdem erlangen Organisationen mithilfe ihrer freiwilligen Botschafter, der Mitarbeiter, als „Corporate Citizen“ authentischere Züge.
Insgesamt führt die zunehmende Standardisierung von CSR dazu, dass sich Unternehmen auf möglichst allen wichtigen Themenfeldern engagieren möchten, da die Konkurrenz dies so vorlebt. Es entsteht der Eindruck, dass die meisten Unternehmen sich nur so weit engagieren, wie es ihnen aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten notwendig erscheint. Dadurch mangelt es CSR vielfach an der notwendigen Glaubwürdigkeit.
Literatur
- Bassen, Alexander; Jastram, Sarah; Meyer, Katrin (2005): Corporate Social Responsibility. Eine Begriffserläuterung, in: Zeitschrift für Wirtschafts- und Unternehmensethik, Jg. 6, Heft 2 (2005), S. 231-236
- Beckmann, Markus (2007): Corporate Social Responsibility und Corporate Citizenship, Eine empirische Bestandsaufnahme der aktuellen Diskussion über die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen. Halle
- Beschorner, Thomas (2005): Corporate Social Responsibility, Corporate Citizenship, Corporate Governance. Schillernde Begriffe und ihre Deutung. Ökologisches Wirtschaften 2005(3), S. 40 - 42.
- Beschorner, Thomas und Schmidt, Matthias (Hrsg.) (2007, 2. Auflage 2008): Corporate Social Responsibility und Corporate Citizenship, München, Mering
- Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (2006): Corporate Social Responsibility - Eine Orientierung aus Umweltsicht
- Dietzfelbinger, Daniel (2008): Praxisleitfaden Unternehmensethik. Kennzahlen, Instrumente, Handlungsempfehlungen, ISBN 9783834905529
- Habisch, André; Schmidpeter, René & Neureiter, Martin (Hrsg.)(2007): Handbuch Corporate Citizenship. CSR für Manager. Heidelberg. ISBN 978-3-540-36357-6
- Habisch, André; Jonker, Jan; Wegner, Martina & Schmidpeter, R. (Hrsg.)(2005): Corporate Social Responsibility across Europe. ISBN 978-3-540-23251-3
- Hamel, Gary (2008): Das Ende des Managements. Unternehmensführung im 21. Jahrhundert ISBN 978-3430200462
- Kuhlen, Beatrix (2005): Corporate Social Responsibility. Die ethische Verantwortung von Unternehmen für Ökologie, Ökonomie und Soziales.
- Plehwe, Kerstin (2008): Das Pinocchio-Paradox. Warum Glaubwürdigkeit zu wirtschaftlichem Erfolg führt ISBN 978-3867740227
- Suchanek, Andreas; Lin-Hi, Nick: Eine Konzeption unternehmerischer Verantwortung, Diskussionspapier des Wittenberg-Zentrums für Globale Ethik Nr. 2006-7.
Weblinks
