Die Idee Der Fach- und Führungskräftemangel macht europäischen Unternehmen, insbesondere im Hinblick auf den demographischen Wandel, schwer zu schaffen. Dem gilt es laut Frattini entgegenzusteuern, indem High Potentials aus dem europäischen Ausland leichter eine Arbeitserlaubnis erhalten – mit der Blue Card. All diejenigen Einwanderer sollen die „blaue Karte“ erhalten, die einen Arbeitsvertrag mit mindestens einem Jahr Laufzeit und einem Gehalt von wenigstens dem dreifachen Mindestlohn des betreffenden EU-Staates vorweisen können.
Während die amerikanische Green Card dem Einwanderer für unbefristete Zeit zur Verfügung steht, ist in Europa bisher eine befristete Variante im Gespräch. Sie soll zwei bis drei Jahre gelten und dann müsste sie neu beantragt werden. Eine Verlängerung ist – so Frattinis Plan – jedoch nur möglich, wenn der Einwanderer in ein anderes EU-Land wechselt. Familienangehörige werden voraussichtlich spätestens sechs Monate nach Einreise des Antragstellers nachkommen können. Die Blue Card soll dann wieder entzogen werden, wenn der Inhaber länger als drei Monate arbeitslos ist.
Die Kritik Unternehmensvertreter äußerten sich bisher skeptisch dazu, ob ihnen die Blue Card tatsächlich zu mehr Fachkräften verhelfen könnte. Denn das Problem sehen viele darin, dass sie zu spät komme: Der Fachkräftemangel ist schon längst in den Unternehmen angekommen und das Loch wird immer größer. Da das Konzept der Blue Card bisher noch umstritten ist und viele Punkte wie die Einkommensmindestgrenzen oder auch fachliche Kompetenzen noch nicht feststehen, glauben viele Unternehmen nicht an eine schnelle Lösung.
Software-Experten und gesuchte Ingenieure bevorzugen nach wie vor die USA als Arbeitsort. Die Gründe: Spitzenkräfte, die nicht aus der EU kommen sprechen zumeist Englisch und nicht Deutsch, Französisch oder eine andere europäische Sprache. Ferner können sich europäische Löhne mit den amerikanischen nicht messen. Da die Blue Card befristet sein soll, käme eine große Planungsunsicherheit für die Einwanderer hinzu.
Für größere Firmen bietet die Blue Card zahlreiche Vorteile – beispielsweise für die Jobrotation im eigenen Unternehmen. Kleinere und mittlere Firmen haben es jedoch vielfach schwer, entsprechend hohe Löhne zu bezahlen. Schwierig ist es für KMUs auch, Kandidaten, die nur Englisch sprechen und nicht die Landessprache, ein entsprechendes Arbeitsumfeld zu bieten. So setzen sich vor allem Großunternehmen für die Blue Card ein, stoßen dabei aber vor allem in Deutschland auf eine sehr ablehnende Haltung.
Die Zukunft der Blue Card In der deutschen Politik sind die Vorbehalte groß. Die Koalition in Berlin möchte das Thema Einwanderung bisher nicht an Brüssel abgeben. Zu viele Arbeitlose habe Deutschland noch, die durch Vermittlung und Weiterbildung für die offenen Stellen fit gemacht werden müssten.
Damit die Blue Card eingeführt werden kann, müssen alle 27 EU-Mitgliedstaaten die entsprechende Gesetzgebung bewilligen, was unter diesen Voraussetzungen eher schwierig wird. Falls sich die EU trotzdem für das Modell entscheidet, wird vermutlich jeder EU-Staat seine eigenen Vorgaben dafür machen, in welchen Fällen ein Hochqualifizierter aus dem europäischen Ausland eine Blue Card erhalten soll.
